Lea Rosh kritisiert Sachsens Ministerpräsident Kretschmer

17. Mai 2019 · Kulturpolitik

Lea Rosh, Initiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals, zeigte sich laut Berliner „Tagesspiegel” „verärgert” über den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Dessen Vergleich der Künstlergruppe „ZPS-Zentrum für politische Schönheit” mit der völkisch orientierten „Identitären Bewegung” nannte Rosh „brutal schief”. Weil der AfD-Politiker Björn Höcke 2017 in seiner berüchtigten Dresdner Rede erklärte, „… wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat”, errichtete das ZPS auf dem Nachbargrundstück von Höckes Privatdomizil in Bornhagen mit 24 Betonstelen einen verkleinerten Nachbau des Holocaust-Denkmals. Der Soziologe Thomas Wagner wies indessen 2017 in seinem Buch „Die Angstmacher: 1968 und die Neuen Rechten“ nach, dass letztere durchaus von den Polit-Happenings der 1968er Generation gelernt hätten – rechte Aktivisten kopieren und karikieren ästhetische Strategien linker Künstler. So luden Mitglieder der „Identitären Bewegung” im Dezember 2017 in der Nähe des Brandenburger Tores fünf Betonklötze als ein „europäisches Denkmal für die Opfer von Multikulti und islamistischen Terrorismus“ ab. Der sächsische CDU-Politiker Michael Kretschmer meinte zu solchen Aktivitäten: „Wenn das Zentrum für politische Schönheit bestimmte Aktionen macht, ist das Ausdruck der Kunstfreiheit, wenn die Identitären Kreuze auf dem Görlitzer Untermarkt aufstellen, dann ist der Aufschrei groß. Ich finde beides geschmacklos. Hier werden Grenzen verschoben…” Lea Rosh hält diese Äusserung für „perfide”, denn „in der Realität“ werde das ZPS „…mit strafrechtlichen Ermittlungen überzogen, während man die Rechten unbehelligt lasse“. Auch die Kunstkritikerin Saskia Trebing („Monopol“) hält Kretschmers Vergleich für „irreführend und gefährlich“, denn „so hebt man eine als rechtsextrem eingestufte Gruppierung in den Rang von Künstlern.“

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