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Ausstellungen: Köln · von Christiane Fricke · S. 322 - 324
Ausstellungen: Köln , 2003

CHRISTIANE FRICKE
AC: Peter Fischli/David Weiss

“Fragen Projektion”

DC: Per Kirkeby

“122 x 122”
Museum Ludwig, Köln, 18.10.2002 – 19.1.2003

1963 wurde Per Kirkeby auf einer Polarexpedition fast von einem Eisbären gefressen. Das sei, meint der heute 63-Jährige Däne, “als Ausgangspunkt, um Kunst zu machen, wirklich traumatisch genug” gewesen. Wie ein Verrückter quälte sich der künstlerisch inspirierte Gelehrte anschließend ab, das auch visuell außerordentlich eindrucksvolle Erlebnis zu malen. Ohne Erfolg. Hätte Kirkeby im 19. Jahrhundert gelebt, wäre ihm das zweifellos nicht passiert. Er hätte einen gewaltigen Ölschinken mit arktischer Landschaft und Eisbär fabriziert und stünde heute in der ersten Reihe der skandinavischen Landschaftsmaler – nach denen sich nur noch die Spezialisten umschauen.

Als Zeitgenosse der frühen sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts – mit einschlägigen Erfahrungen als Fluxus-Sympathisant, Essayist, Romancier und Filmemacher – konnte er sich das selbstverständlich nicht mehr leisten und versuchte mit Gewalt, formal-abstrakt zu malen, also mit Dreiecken, Linien und Systemen all das auszudrücken, was er an Geschichten im Kopf hatte – und scheiterte. Wofür wir ihm heute sehr dankbar sind. Denn dem Konflikt, eigentlich nicht mehr figurativ malen zu dürfen und dennoch auf das Erzählerische nicht verzichten zu wollen, verdanken wir eines der reichsten malerischen Oeuvres der zeitgenössischen Kunst.

Die künstlerische Ausbeute der frühen, in den sechziger und siebziger Jahren ausgefochtenen Kämpfe hängt nun in Gestalt von rund 50, auf billigen Hartfaserplatten gemalten 122 x 122 Zentimeter großen Tafeln im DC-Saal des Museums Ludwigs. Darunter auch ein “Der Berg” betiteltes Gemälde aus dem Jahr 1967. So etwa hätte es aussehen können, das ultimative…



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von Christiane Fricke

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