Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Roman Signer

Aktion mit einer Zündschnur

ROMAN SIGNER (*1938 in Appenzell, lebt in St. Gallen): Wenn von Roman Signers Arbeit die Rede ist, kommen zuerst vor allem die ebenso spektakulären wie explosiven „schnellen Veränderungen“ zur Sprache. Es ist, als ob die in uns allen schon fast archetypisch tiefsitzende Faszination für diese Art von Sensationen eine kontemplativere Wahrnehmung der Räumlichkeit, der ausgedehnteren Zeitverläufe oder der vielen Augenblicke der Stille in anderen seiner skulpturalen Arbeiten ein wenig trübte. Ich denke zum Beispiel an die verschiedenen Installationen, in denen regelmäßig tropfendes Wasser oder stetig rieselnder Sand eingesetzt werden, da diese – von der unmittelbar angestrebten künstlerischen Zielsetzung einmal abgesehen – immer auch als Darstellungen eines mehr oder weniger akzentuierten, kontinuierlichen Verfließens der Zeit verstanden werden können. Aber auch der Aspekt der ruhenden Energiepotentiale ist in diesem Zusammenhang in Betracht zu ziehen, wie sie etwa in Form von gespannten Gummiseilen, als Sprengstoff oder als Fallhöhen sich manifestieren, und selbstverständlich auch das Moment der Spannung und der Entspannung vor und nach den besagten „schnellen Veränderungen“, durch welche die in mehrerer Hinsicht gefährliche Brisanz der Signerschen Ereignisse und Aktionen überhaupt erst wirklich zu erfahren ist.

Ein ganz besonderes Werk der hier beschworenen stilleren Art stellt sicher die legendäre „Aktion mit einer Zündschnur“ dar; ein Unternehmen, das nicht nur ungewöhnliche räumliche Dimensionen, sondern auch einen respektablen Zeitraum absteckte. Am 11. September 1989 um 16.00 Uhr zündete Roman Signer im Bahnhof Appenzell als Auftakt einen auf einem Holztischchen aufgeschütteten Kegel von Schwarzpulver, dessen Aufflammen eine Zündschnur entzündete und damit den…

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