vorheriger
Artikel
nächster
Artikel
Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte · von Jürgen Raap · S. 478 - 488
Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte , 2000

KOFFER-EDITION

Dass er in einer Satire-Sendung als “Don Kohleone” verulkt wird, hat den Altkanzler bereits zutiefst empört. Dabei sind seine Verdienste unbestritten – zumindest in Sachen pfälzischer Folklore, seit er nicht nur dem Saumagen, sondern auch dem Dialektwort für Bargeld (“Bimbes”) zu bundesweitem Bekanntheitsgrad verholfen hat. Jetzt wird Kohls Humor erneut auf eine harte Probe gestellt. Denn nun bedient sich auch noch der Fluxus-Künstler Ben Patterson des schönen Kalauers, dass der Name Kohl fast einen Gleichklang mit dem Slang-Wort “Kohle” bzw. “Kohlen” für “Geld” hat. Über seinen Münchener Editeur Peter Fabian bietet Patterson einen Aktenkoffer als “Kohlenkoffer” an – “zum diskreten Transfer von Fördergeldern”. Das äusserst praktische Kunstwerk ist natürlich für Spendentourneen zugunsten einer politischen Partei ebenso geeignet und kostet 273,82 Mark bzw. 140 Euro bei einer Auflage von 33 Stück. Jedes Exemplar wird “inklusive Zürcher Briefkastenadresse und Deckname” ausgeliefert.

“ÜBERSICHT 3”

Das NRW-Kultursekretariat stellt sein Kooperationsprojekt “Übersicht 3” unter das Motto “Bild und Abbild, Realität, Virtualität und Neue Medien”. 12 Künstler von Rhein und Ruhr stellen in 14 NRW-Städten, auf der Expo 2000 in Hannover und in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin aus: Thomas Haubner, Christel Kremser, Thomas Pöhler, Brigitte Schwacke, Insook Ju, Andreas Kuhlmann, Judith Samen, Gero Wortmann, Claudia van Koolwijk, Rainer Mattern, Dirk Schlichtung und Thomas Wrede. Grundgedanke der “Übersicht”-Reihe ist eine Präsentation zeitgenössischer Kunst abseits der großen Kunstmetropolen Köln und Düsseldorf. So sind auch jetzt wieder kleinere Städte wie Siegen, Coesfeld, Grevenbroich oder Plettenberg Veranstaltungsorte. Waren bei den ersten beiden “Übersicht”-Projekten 1991 und 1995 alle künstlerischen Disziplinen vertreten, so konzentriert sich die Wanderausstellung nunmehr auf Fotografie und Neue Medien. Sie begann im Januar im Kunstverein Lippstadt, macht derzeit in der Alten Sparkasse Dülmen Station (bis 29. März 2000) und endet am 22. April 2001 im Kunstverein Ahlen.

GEFÄNGNIS-AUSSTELLUNG

Einen ungewöhnlichen Ort hat die “Gesellschaft der Freunde junger Kunst Baden-Baden e.V.” für ihre 25. Jahresausstellung gewählt – das ehemalige Gefängnis. Dort finden seitens der Künstlermitglieder der Gesellschaft (sofern sie “ihren Jahresbeitrag 2000 gezahlt haben”) vom 1. Juli bis 13. August 2000 Einzelpräsentationen in Einzelzellen (ca.8 qm) sowie Gruppenpräsentationen auf den Fluren und in größeren Zellen statt. Für den Innenhof ist eine Skulpturenausstellung geplant.

ARME SCHUHE

Im vergangenen Jahr breitete der Künstler Josef Hack einen “Arme Socken-Teppich” vor dem Bundeskanzleramt aus, den er zusammen mit Arbeitsloseninitiativen gewebt hatte. Als Reaktion auf die aktuellen Finanz- und Filz-Affären will er nun im Sommer 2000 vor dem Reichstag die Aktion “Boden-Haftung” durchführen: “Spendenskandale, Falschaussagen, Beteuerungen, die nach täglicher Wetterlage wechseln, kann keiner mehr hören. Die MandatsträgerInnen sind für die meisten Menschen abgehoben, unerreichbar geworden und lassen sich im Reichstag nur blicken, wenn es sich für sie persönlich lohnt”. Daher will Hack vor dem Reichstag einen “riesigen Teppich” aus alten Schuhen zusammentragen lassen: Jeder kann seine ausrangierten Sandalen oder Stiefel dort abstellen. Die Abgeordneten sind dann aufgefordert, “sich in die Schuhe der kleinen Leute zu stellen”. Später sollen diese Schuhe Menschen in Not zugute kommen.

KUNSTFERNSEHEN

Vom 11. bis zum 20. Februar 2000 konnte im Berliner Kabelnetz ein “Kunstfernsehen” empfangen werden. Ein temporäres Studio in Berlin-Mitte war “während der ganzen Sendedauer auch für Publikum zugänglich”. Das Programm bestand aus Live-Konzepten und vorproduzierten Beiträgen verschiedener Künstler und “Medienarbeiter”. Projektleiter Reinhard Franz hatte erstmals zur documenta 1992 ein Programm “Let there be TV” ausgestrahlt und seitdem sein Konzept kontinuierlich weiterentwickelt. 1999 ging die Gruppe mit “worldhaus TV” im Rahmen des Weimarer Kulturhauptstadt-Festivals 99 Tage lang auf Sendung. “Kunstfernsehen” will “die Kunst mit den Mitteln moderner Technologie aus Museen und Galerien befreien” und in den “Raum der technischen Möglichkeiten und der globalisierten Kommunikation” hinein tragen. Das Motto lautet: “Freiheit als Selbstzweck”. Kontakt: e-mail: kunstfernsehen@preset.de. Internet: www.preset.de/ worldhausTV.

KACHELHAUT

Zusammen mit Gerno Bogumil und Roland Kaiser führte die Kölner Performerin Angie Hiesl im Mai 1999 in einer Münchener Fußgängerpassage die Performance “Kachelhaut” auf (Kunstforum berichtete). Eine Neuinszenierung zeigt das Trio nun im Rahmen des NRW-Festivals “Theaterzwang 2000” in Dortmund (2. und 6. April 2000). Die ehemalige Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde bildet die Kulisse für diese Rauminstallation mit Aktion, Klangexperimenten und Choreografie. Insgesamt wurden aus 150 Vorschlägen 19 Produktionen für dieses Festival freier NRW-Theater ausgewählt.

GRUPPENBILD

Eine Gruppenaufnahme mit Seltenheitswert: Mirek Macke hatte rund 100 Künstler in aller Welt angeschrieben, nach Frankfurt zu kommen. Sie alle hatten schon einmal im “Portikus” ausgestellt und sollten für ein “Jahrtausendfoto” posieren. Etwa 50 von ihnen nahmen Mackes Einladung an, darunter Marlene Dumas (Amsterdam), Steve McQueen (kam extra aus London), Franz West (Wien) und Matt Mullican. Der Verein “Frankfurter Brücken” hatte sich um Unterkunft und Verpflegung gekümmert, die Reisekosten übernahmen die Künstler selbst.

WIENER KUNSTSCHULE

In einem Offenen Brief haben sich die Lehrkräfte an der Wiener Kunstschule “mit Beschämung von der Koalition” aus ÖVP und FPÖ distanziert. “Im Sinne unserer Verantwortung… für eine möglichst offene, tolerante und fortschreitende Ausbildung” wehren sich die Dozenten gegen die Tendenzen eines “scheindemokratischen Faschismus”. Jeden Freitag ab 18.30 Uhr tagt im Saal 18 der Schule in der Lazarettgasse 27 das Diskussionsforum “Widerstand” als “Plattform für eine umfassende Auseinandersetzung mit der aktuellen politischen Situation”. Dazu werden regelmäßig auch “Personen von außen” zu “Beiträgen” eingeladen.

FUTUR PERFEKT

In Bremen entsteht demnächst ein “Space Park” als “Erlebnispark zum Thema Raumfahrt” mit Themengastronomie und Shopping Mall. Politisch ist das Projekt umstritten, weil etwa ein Viertel der Gesamtkosten von 1 Mrd. Mark aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, wobei aber offen ist, ob sich die Idee auf lange Sicht überhaupt wirtschaftlich amortisiert. Eine elfköpfige Arbeitsgruppe von Studenten an der HdK Bremen wagt jedenfalls schon einmal einen Ausblick ins Jahr 2010: Unter der Prämisse, dass der Space Park dann in Konkurs gegangen sein wird, entwickeln die angehenden Künstler alternative Planungen für die Nutzung des Areals. Erste Ergebnisse wurden im Januar/Februar in Form eines “2. öffentlichen Planungstreffens” vorgestellt. An diesen Planungen kann sich auch weiterhin jeder “mit eigenen Vorstellungen” beteiligen. Begleitend zu diesem “Planungstreffen” fanden Vorträge und Filmvorführungen statt, und zwar in Kooperation mit “City.crime.control”. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Initiative, die eine “Selbstorganisierung im Bereich zwischen Kunst, Kultur und Politik” versucht. U.a. zeigte der Berliner Filmemacher Harun Farocki erste Muster seines neuen Oeuvres “Amerikanische Einstellungen – Die Inszenierung von Shopping Malls”. Kontakt: Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Teerhof 21, 28199 Bremen, Tel. 0421-500897, Fax 0421-593337.

PARTENHEIMER IN CHINA

Zum ersten Mal durften die Werke eines deutschen Künstlers in Pekings “verbotener Stadt” ausgestellt werden. In dieser “verbotenen Stadt” und auf dem Yangtze-Fluss hatte der Münchener Künstler Jürgen Partenheimer seine Skulptur “Weltachse” installiert. Außerdem stellte er im Januar 2000 Arbeiten auf Papier aus den vergangenen 20 Jahren in Pekings Nationalgalerie aus. Diese Ausstellung wanderte anschließend in das Nanking Museum (bis 20. März 2000). Dort ergab sich die Möglichkeit, Partenheimers Werke im Kontext traditioneller Sammlungen zu zeigen. Dreimal hatte Partenheimer in den vergangenen Jahren Reisen nach China unternommen, um das Projekt vorzubereiten. Die Schirmherrschaft über die Werkschau hat Bundeskanzler Gerhard Schröder übernommen. Partenheimer hat außerdem eine Sammlung von über 500 Kunstbüchern zusammen getragen, die der Peking Universität und der Zentralen Kunstakademie gestiftet werden.

BONBONS UND BÖRSE

Ab dem 24. Januar 2000 pappt der Berliner Künstler Henrik Schrat “nach und nach” 50.000 Bonbon-Papiere an die Wände des Frankfurter Börsensaales (s. Kunstforum Bd. 149, S. 467). “Das Bonbon steht als Symbol für Mehrwert: Ein Abfallprodukt – das Bonbonpapier – wird zum Kunstobjekt”, erklärt Schrat zu der Aktion. Im April gibt er dazu eine Publikation heraus. 40 Interviews zu dem Projekt sind zu einer “comicartigen Bildgeschichte” verarbeitet worden. Die Aktion dauert bis zum 28. Mai. Anschließend werden die Paneele mit den Papierchen via Internet zugunsten von UNICEF versteigert. Infos: http://www.dresdner-bank.de./kunstprojekt-schrat.

VISION RUHR

25 international renommierte Medienkünstler zeigen Installationen, Skulpturen und Performances im Industriemuseum auf der Dortmunder Zeche “Zollern II/IV” und im Museum am Ostwall. Unter dem Titel “Vision Ruhr” leisten sie “künstlerische Bestandsaufnahmen des strukturellen Wandels” der Region: Hier ist der Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft nämlich drastischer spürbar als anderswo. Doch die “offensichtlichen Klischees” wie “Kohle, Stahl, Feuer” sollen mit dieser Ausstellung nicht bedient werden. Stattdessen sind laut Pressetext “Visionen, Abstraktionen, Witz gefragt”. Unter anderem beteiligt sich Jochen Gerz mit seinem Projekt “Das Geschenk”. Er richtet ein Fotostudio und eine Rahmenwerkstatt ein. Jeder Besucher erhält als Geschenk ein gerahmtes fotografisches Porträt, “allerdings nicht sein eigenes”. Die Doppel-Ausstellung dauert vom 14. Mai bis zum 20. August 2000. Infos: www.vision-ruhr.de.

STRANGE HOME

In “direkter Nachbarschaft” zu den Exponaten im Hannoveraner Kestner-Museum und dem dortigen Historischen Museum zeigt die Gruppe “Agora e.V.” (Annerose Bekuhrs, Vera Giesel) eine Ausstellung von Künstlerinnen aus dem Iran, der Türkei, China, Japan und Korea. Zur Konzeptidee heißt es: “Die Intention dieses Projekts ist die Gegenüberstellung der Jahrhunderte alten Traditionen der weiblichen Tätigkeiten mit der Aussage von Künstlerinnen, die die Notwendigkeit verspüren, zwischen sich selbst und der Vergangenheit eine räumliche und zeitliche Dimension zu schaffen”. Die Ausstellung dauert vom 4. Juni bis zum 3. September 2000 und zeigt Beiträge von Fariba Hajamadi, Gülsün Karamustafa, Jinran Kim, Midori Mitamaru, Füsun Onur, Ebru Özsecen, Qiu Ping, Chiharu Shiota, Hale Tenger, Qin Yufen.

MINUTES ONLY

Künstler spielten Orgel oder machten eine Performance mit dem Instrument, allerdings nur jeweils eine Minute lang. 60 Künstler aus Deutschland und Frankreich trafen sich am 8. Januar 2000 in der Orgelfabrik Karlsruhe-Durlach, um dort “jeweils eine Minute zu gestalten”. Mittels einer Zähluhr wachten die Initiatoren Rainer Ecke und Jost Schneider darüber, dass sich auch jeder präzise an das Zeitlimit hielt. Die Veranstaltung wurde auf Video dokumentiert.

ZEITMESSUNG

Eine “symbolische” Zeitmessung nahm der Künstler Wolfgang Stöcker im Kölner Projektraum Triloff vor. Er zerriss Papier in 2000 Stücke und stopfte die Schnipsel in einen “Allgemeinen Schrank für alle Zeiten”. Dessen Inhalt wurde alsdann zu bewusst vagen Zeitangaben (“wohl gegen 19 Uhr”) gestapelt und umgeschichtet. “Ich werde über dieses Reißen, Stapeln und Umschichten einmal mehr zu meinen Eigenheiten jenseits der Uhren finden”, erklärte Stöcker dazu. Ein “Nichtdenken von Zeit” bedeute, dass selbige “nicht mehr als ewiges Rinnen und Entgleiten” empfunden werde. Damit gibt Stöcker zu der Vermutung Anlass, er nehme es mit der Pünktlichkeit generell nicht so genau. Eine solche Aktion erst anderthalb Monate nach all den anderen “Millennium”-Events durchzuführen, ist im übrigen a priori schon Beweis genug für ein “eigenes Zeitempfinden”.

INTERNET-VERNISSAGE

Bisher richtete der Kölner Medienkünstler Axel Brand “reale” Ausstellungen in seinen “Authentic”-Räumen aus. Andere lokale Events begleitet er mit einem gleichnamigen Flyer, der Porträts von Vernissagen-Gästen enthält und oft noch am selben Abend in den Galerien verteilt wird. Nun überträgt Brand dieses Prinzip auf den virtuellen Raum. Zu seiner Ausstellung “Digitale Malerei” hielt er nämlich eine “Internet-Vernissage” ab. Und wie beim leibhaftigen Buffet-Gerangel, so rückte Brand auch “während der Internet-Vernissage” den “Anwesenden” mit seiner digitalen Kamera auf den Leib. Die Porträts stellte er dann als “eine aktuelle Seite” seines “Authentic”-Magazins ins Netz (www.colognearts.de/event/). Eine “miteingebaute Performance” wird ebenfalls via Internet ausgestrahlt: www.colognearts.de/szene.

FUZZY SPACE

Das Underground-Magazin “für Kunst, öffentlichen Raum und private Ideen” mit dem Namen “Fuzzy Space” erscheint “unregelmäßig, unerwartet und kostenlos”. Herausgeber ist Christof Salzmann, der die kaufmännische Seite seines publizistischen Wirkens mit den Worten “Die Finanzierung ist unsicher, die Zukunft auch” beschreibt. Jüngst startete Salzmann eine Aktion gegen die rechtsgerichtete Regierung in Österreich, aber auch gegen die isolationistische Haltung, welche die EU gegenüber der Wiener ÖVP/FPÖ-Koalition pflegt: “Die Zahl der diplomatischen Vertreter darf nicht reduziert, sondern muss verdoppelt werden; die kulturellen Beziehungen dürfen nicht unterbrochen, sondern müssen ausgeweitet werden”. Unter Berufung “auf die große Tradition österreichischer Satiriker” bot Salzmann via Annonce in der Wiener Zeitung “Der Standard” 2706 km rot-weißes Absperrband an – für 0,64 Schilling oder rund 10 Pf pro laufendem Meter. Die Gesamtlänge des Bandes entspricht dem Verlauf der österreichischen Bundesgrenze.

PERFORMANCE ZENSIERT

Eine Verschärfung der Straßennutzungsordnung stand auf der Tagesordnung des Düsseldorfer Stadtrates. Das “Lagern auf Straßen und öffentlichen Plätzen” soll in der NRW-Landeshauptstadt demnächst verboten sein. Mit dem doppeldeutig-zynischen Titel “Restposten” führte die Künstlerin Claudia Rogge dagegen eine Protest-Performance durch. 25 Obdachlose drängten sich in einem Müllcontainer: “Menschen nicht wie Müll behandeln”, lautete die zutreffende Schlagzeile in der “Düsseldorfer Stadtpost”. Einen Tag später sollte der zweite Teil der Performance stattfinden, diesmal allerdings mit 75 Köpfen von geschlachteten Schweinen. Doch ein Beamter des Straßenverkehrsamtes setzte durch, dass die Aktion abgebrochen werden musste. Offizielle Begründung laut Amtsleiter Heinz Dörper: “Die Aktion war nur für einen Container mit Köpfen genehmigt – von blutigen Schweinen war nie die Rede”. In der lokalen Kunst-Szene herrscht Empörung: “Das ist Zensur”, findet der Künstler Peter Royen sen. “Ein Armutszeugnis für die Kunststadt Düsseldorf”, lautet auch das Urteil von Galerist Siegfried Blau. Andere fühlen sich an die unseligen Zeiten erinnert, als Joseph Beuys aus der Düsseldorfer Kunstakademie geschasst wurde.

URBAN CONTEXT

Ein halbes Jahrhundert überdauerte der ehemalige Gauleiterbunker sechs Meter unter der Schießgrabenstraße von Lüneburg. Von einer gegenüberliegenden Villa gelangt man durch einen unterirdischen Gang in die Zuflucht des einstigen regionalen Nazi-Bosses. Studenten der Universität Lüneburg hatten den 130 qm großen Befehlsstand in den 90er Jahren freigelegt. Die Einrichtung eines dauerhaften Mahnmals an dieser Stelle sei aber “politisch nicht durchsetzbar”, hatte Oberstadtdirektor Faulhaber 1995 verkündet. Schon in jenem Jahr wurde der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball von der Bunkerinitiative eingeladen, kurze Zeit später hielt er in Lüneburg einen Vortrag “Kunst im urbanen Kontext”. Doch erst im Februar 2000 konnte er seine Lichtinstallation “Urban Context” realisieren. Kuball errichtete über der Straße eine 5 m hohe Brückenkonstruktion, die mit Scheinwerfern die unterirdische Lage des Bunkers nachzeichnet. Konzepttext: “Mit dieser Lichtinstallation wird am authentischen Ort an seine dunkle Geschichte erinnert. Der Bunker selbst bleibt verschlossen”.

KÖRPERWELTEN

Der erste Besucher fiel schon einen Tag nach der Eröffnung in Ohnmacht – beim Anblick einer konservierten Raucherlunge. Bis Ende September 2000 gastiert die Ausstellung “Körperwelten” in einem Zelt auf dem Kölner Heumarkt. Nach einem neuartigen Verfahren hat Gunther von Hagens Leichen und Leichenteile konserviert, stellt sie als sogenannte “Plastinate” aus. Was sonst in den anatomisch-pathologischen Schausammlungen der Medizinischen Fakultäten nur Wissenschaftlern und Studenten zugänglich ist, lockte bei der bisherigen weltweiten Tournee bereits 4 Mill. Besucher an. In Köln protestierten nun unisono die katholische wie die evangelische Kirche: Sie werfen von Hagens “Leichenfledderei” vor, sehen in der Ausstellung eher ein kirmeshaftes Spektakel als eine seriöse wissenschaftspädagogische Veranstaltung, die laut von Hagens die Sensibilität für den eigenen Körper schärfen soll. Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer ließ jedenfalls verlauten, sie schaue sich die Ausstellung nicht an. Auch die ortsansässige Künstlerin Brigitte Burgmer bemerkte gegenüber der Lokalpresse, mit wirklichkeitsgetreuen Nachbildungen hätte man die gleiche Anschaulichkeit erreichen können wie mit echten Leichen. Andere Besucher kommentieren die Leichenschau eher mit kölscher Drastik: “Die sehen ja aus wie abgenagte Hämchen” (gekochte Schweinehaxen).

LIFT OFF

“‘Lift off’ steht wie das Abheben einer Rakete für Aufbruch, Durchbruch, Neuorientierung und Wiederkehr” hieß es zu einem Künstlerprojekt in der Frankfurter Ausstellungshalle “Standort” (Allerheiligenstr. 7). Im Januar 2000 setzten sich Frauke Gerhard, Lucy Harvey, Kyrill Koval und Jürgen Stollhans “jenseits der magischen Datumsgrenze” mit anderen Grenzen auseinander: “Zeitgrenzen, persönlich-gesellschaftliche Grenzen, formal-räumliche oder universell-kosmologische”. Lucy Harvey z.B. hat über mehrere Jahre hinweg einen “Lebensführer” als Anleitung zur “persönlichen Ortung” entwickelt. Frauke Gerhard ist Mitinitiatorin des Kölner Projekts “Containment e.V.” als “offenes Forum” für diversen künstlerischen Austausch. Kyrill Koval brachte Buchstabenobjekte in die Interaktion ein, Jürgen Stollhans analysiert die “Mechanismen und Formensprache” der Raumfahrt.

KULTURSERVER

Seit zwei Jahren betreibt die Hannoveraner Initiative “Ponton European Media Art Lab” einen Kulturserver als “Online-Community für regionale Kunst und Kultur”. Unter www.kulturserver.de erhält man Zugang zu 1.600 Homepages von Künstlern und Institutionen. Bis jetzt erstreckt sich das Programm auf Hamburg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Wer dort ansässig ist, kann sich “kostenlos eine Homepage mit eigener Internetadresse bauen, Webmail benutzen und Veranstaltungen veröffentlichen”. Darüber hinaus können über den Kulturserver eigene TV- und Radiosendungen im Internet ausgestrahlt werden. Im Laufe der nächsten Wochen soll das Angebot auch auf andere Bundesländer ausgedehnt werden.

FABRIKVERKAUF

Noch vor wenigen Jahren galt es als absoluter Geheimtip, Ledergürtel oder Jeans nicht in Boutiquen, sondern direkt ab Fabrik zu erstehen. Im Schwäbischen, wo eine Reihe Nobel-Schneidereien firmieren, hat sich sogar ein regelrechter Fabrikverkauf –Tourismus entwickelt. Frieder Rusmann, Kopf der Stuttgarter Künstlergruppe “Das deutsche Handwerk”, hat nun eine ähnliche “Geschäftsidee” entwickelt. T-Shirts, die Rusmann mit seinen Kunst-Motiven bedruckt und dann als “art wear- Edition” anbietet, kann man freilich nicht direkt in seinem Atelier abholen, sondern nur via Internet ordern. Wer dann mit diesem T-Shirt durch die Gegend läuft, wird Teil einer “walking exhibition”, wobei er Rusmanns Kunst “unter die Menschen trägt”. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, d.h. das Publikum nicht in die Galerie, muss man eben die umgekehrte Strategie anwenden und die Kunst zum Publikum bringen. Dafür bedarf es natürlich auch einer theoretischen Begründung: “Die Topografie eines virtuellen Geschäftsgangs wird sichtbar und gleichzeitig der Kunstkauf aus seiner kommerziellen Funktion befreit”. Kontakt: www.fabrik-ver-kauf.de.

HEILKUNST

Der Karlsruher Künstler Klaus Heid beschäftigt sich mit den “Risiken und Nebenwirkungen des Kunstbetriebs”. Augenschwäche und Größenwahn, fehlende Inspiration und das “Vincent-Syndrom” sind die Übel, die innerhalb des “Betriebssystems Kunst” auftreten könnten, diagnostiziert Heid. Darüber hat er nun ein Buch mit dem Titel “Heilkunst” publiziert (Martin Schmitz Verlag Berlin, ISBN 3-927795-28-3). Praktische Linderung bei “Kunstbeschwerden” verspricht Heid durch seine “Artur Kling Heilkunst-Tees”, die er wahlweise als “belebenden” oder “beruhigenden Tee für den Kunstbetrieb” anbietet. Die “Tee-Edition” ist nach dem Botaniker und Naturheilkundler Artur Kling (1895-1933) benannt und wird nach “ökologischen Qualitätsanforderungen” von einer Diepholzer Firma hergestellt. Den Vertrieb übernimmt Heids Berliner Verleger Martin Schmitz. Wer nach der Lektüre und dem Teegenuss immer noch keine Linderung verspürt, kann sich unter www.artvictims.de einer “Online-Selbsthilfegruppe für den Kunstbetrieb” anschließen.

ALIEN INTELLIGENCE

Beim Projekt “Alien Intelligence” geht es nicht vordergründig um die putzigen Wesen vom anderen Stern, die durch den Film und die Comic-Welt toben, sondern um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit digitaler Technologie, d.h. um die Verschaltung des Menschen mit dem Computer als “Drama unserer Zeit”. Ist der Computer unser Diener, unser Partner oder Gegner in einem Wettkampf ? Erkki Huhtamo kuratiert zu dieser Frage eine Ausstellung, die “medienarchäologisch” historische Artefakte des 19. Jahrhunderts und die Automaten des 20. Jahrhunderts umfasst. Außerdem sind rund 20 internationale Künstler zur Teilnahme eingeladen. Die Ausstellung findet bis zum 28. Mai 2000 in der 4. und 5. Etage des Museums für Moderne Kunst von Helsinki statt und wird von diversen Vorträgen und einem Symposion begleitet.

GEBAUTE HORIZONTE

“Landschaftliche Sehnsuchtsmotive” sind vor allem seit der Malerei der Romantik fester Bestandteil der Kunst. Heute wird diese Romantik durch Werbung, Tourismusindustrie, Gartenschauen oder Naturfilme aufgegriffen bzw. artikuliert. Dr. Gudrun Bott (Düsseldorf) kuratiert eine Ausstellung, in der kunsthistorische Überlieferungen und die “aktuelle Wirklichkeitswahrnehmung” von Landschaft thematisiert werden. Zu diesem Projekt “Gebaute Horizonte – Zeitgenössische Landschaften” sind die Künstler Siegrun Appelt, Doris Halfmann, Stefan Sehler, Günther Selichar und Günther Wintgens eingeladen worden. Ihre Beiträge umfassen Malerei, Skulptur, Video und Fotografie. Der topografischen Dramaturgie eines Panoramarundgangs von der Gipfelaussicht zum Meeresblick entspricht auch der Weg der Wanderausstellung von Süden nach Norden: Neue Galerie Dachau (bis 21. Mai 2000), Schloss Ringenberg (Niederrhein, Juni/Juli 2000), Schloss Agathenburg (Niedersachsen, September/Oktober 2000) und Stadtgalerie im Elbeforum Brunsbüttel (Ende 2000).

HDA GRAZ

1989 entstand das Haus der Architektur HDA in Graz als “gemeinsames Forum für alle an Architektur Interessierte und Engagierte”. Die Aktivitäten bestehen aus Ausstellungen, Vorträgen, Workshops und Wettbewerbspräsentationen, der Herausgabe von Publikationen und der Durchführung von Exkursionen. Über die Jahre 2000 und 2001 erstreckt sich die Veranstaltungsreihe “hdax OO/01” zur “Frage, wie Architektur von jenen bewertet wird, die an ihrer Entstehung beteiligt oder mit ihrer Nutzung konfrontiert sind… Die Begriffe Wert und Mehrwert bilden den thematischen Leitfaden…”, denn der ökonomische Aspekt schiebt sich gegenüber dem ästhetischen immer mehr in den Vordergrund. Architekten, Politiker, Bauherrn und Bewohner haben hierüber manchmal höchst unterschiedliche Auffassungen, mit denen sie hier zu Wort kommen sollen. Nähere Infos: http//://www.aneta.at/hdagraz.

PERFORMANCE EVENT

Unter der künstlerischen Leitung von Prof. Uwe Laysiepen (Künstlername Ulay) findet im Rahmen der europäischen Kulturwochen am 13. Mai 2000 (ab 21.30 Uhr) in Karlsruhe ein Multimedia-Performance-Event statt. Ort: Schauburg Kino, Marienstr. 16. Neben Video- und Filmbeiträgen bietet das Programm Live-Performances mit ssp. Bonkey, Hannah Groninger, Dorcas Müller, Martin Luckert, Iris Holstein und Sebastian Ising. Einige der Genannten nehmen auch an der Ausstellung Karlsruher Kunststudenten im Niederländischen Institut für Medienkunst Amsterdam teil (8. April bis 6. Mai 2000).

FLORIDA SKY PIECE

Im Sommer 1999 ließ der Künstler Michael Klant von einem Flugzeug ein Stück Florida-Himmel durch den Luftraum Baden-Württembergs ziehen (s. “Kunstforum” Bd. 145, S. 463). Im September 2000 will er nun umgekehrt ein “German Sky Piece” durch Floridas Lüfte flattern lassen. Der Himmelsausschnitt wird fotografiert und mit Malerei auf ein 75 qm großes Tuch übertragen. Der “Bannerflug” ist für den Piloten ein nicht ganz ungefährliches Manöver. Den ersten Teil seiner Aktion hat Klant soeben in einem Katalog “Florida Sky Piece” dokumentiert.

HAUS DER KULTUREN

Das Berliner “Haus der Kulturen der Welt” führt im Laufe des Jahres diverse Projektwochen durch. Vom 1. April bis August 2000 steht die “vielkulturelle Szene” in Deutschland im Mittelpunkt der Reihe “Heimat Kunst”. Zum “Iran-Programm” mit Filmen und Literatur gibt es z.B. im Oktober auch eine Videoinstallation von Shirin Neshat zu sehen, die heute in New York lebt. Zum Thema “Verwobene Modernen” ist für den 24. bis 26. November 2000 ein Workshop angekündigt, bei dem die “Vision von einer gemeinsamen Zukunft im 21. Jahrhundert” diskutiert wird. Zuvor findet im Juli ein Kongress “Die Kunst und das Fremde” statt. Infos: Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin, Tel. 030-397870, Internet: www.hkw.de.
Die Räume nutzen mitunter auch externe Veranstalter. Die Guardini-Stiftung z.B. hält vom 22. bis 25. Juni 2000 im Haus der Kulturen ihre Konferenz “Floating Cities – Die europäische Stadt in Bewegung” ab. Unter thematischen Leitfäden wie “Kult und Ort”, “Die imaginierte Stadt” oder “Tote Räume” soll die “Komplexität von Stadt” diskutiert werden. Eingeladen sind u.a. Mischa Kuball, Wim Wenders, Hans-Ulrich Obrist und Friedhelm Mennekes. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und Infos unter Tel./Fax 030-2164095, e-mail: guardini.berlin@t-online.de.

HANNOVER: HIMMELSMALEREI

Manche Straßenschluchten verdecken den Blick auf den Himmel, so auch die Museumsstraße in Hannover. Deshalb stellt die Münchener Künstlerin Yvonne Lee Schultz ihren Beitrag zur Projektreihe “Interventionen” unter das Thema “Horizonte”. Am Todestag des “Himmelsmalers” William Turner, dem 19. Dezember 1998, hat sie an 45 Orten in 30 Ländern der Erde zeitgleich den Himmel fotografieren lassen. Die Dias montierte sie nun auf Leuchtstoffröhren. Diese Röhren arrangierte sie in der Straße des Hannoveraner Sprengel-Museums so, dass sie eine fiktive Horizontlinie bilden. Die Eröffnung war am 25. Januar 2000. Es ist die 19. Installation innerhalb der “Interventions”-Reihe, zu der das Sprengel-Museum Künstler einlädt, in den unmittelbaren Umgebungsraum einzugreifen.

EXPO 2000

Die Weltausstellung EXPO findet vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 in Hannover statt. Hunderte von Kulturveranstaltungen flankieren die Präsentationen in den Pavillons – der Bogen reicht von Rock-Konzerten bis Tanztheater und Kleinkunst. Die örtliche Kestner-Gesellschaft begleitet schon seit drei Jahren die EXPO 2000 mit einer kontinuierlichen Ausstellungsreihe. Das Sprengel-Museum zeigt unter dem Titel “Über die Welt” seit 1998 zehn Ausstellungen mit Fotografie und Medienkunst. Im Frühjahr/Sommer 2000 stehen noch zwei weitere Ausstellungen in dieser Reihe auf dem Programm: Bis zum 12. März 2000 hat dort der US-Künstler Philip-Lorca diCorcia seine erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum.
Dr. Wilfried Dickhoff und Prof. Kasper König kuratieren das zentrale Kunstprojekt “In Between”: Eigens für die Weltausstellung entwickelte Arbeiten finden zwischen den Architekturen ihren Platz. Dazu gehört ein Mosaik von Albert Oehlen mit 6 Mill. einzelnen Bisazzasteinen. Roman Signer will eine weithin sichtbare Flagge mit einer Geschwindigkeit von immerhin 40 km/h um den Hermesturm kreisen lassen. Gabriel Orozco baut ein Riesenrad auf, das sich zur Hälfte unter der Erde dreht. Rosemarie Trockel und Carsten Höller bestücken die EXPO mit einem “Haus für Ratten, Menschen und Tauben”. Weitere Beiträge liefern Maurizio Cattelan, Gelatin, Paul McCarthy, Panamarenko, Tobias Rehberger, Lily van der Stokker, Marijke van Warmerdam und Franz West. Dickhoff und König betonen, sich ganz bewusst gegen eine Museumsausstellung entschieden zu haben. Stattdessen wollen sie die “Unorte und Zwischenräume, die Fassaden und Eingangszonen, kurz: Das Dazwischen in den Blick nehmen”.

SOHO IN OTTAKRING

Ula Schneider kuratiert ein Projekt des Berufsverbandes bildender Künstler Österreichs (BVÖ): “Soho in Ottakring”. Es findet nunmehr zum zweiten Mal im Wiener Brunnenviertel statt. Im vergangenen Jahr nahmen 50 Künstler die Möglichkeit wahr, ungenutzte Geschäftslokale für Ausstellungen zu nutzen. Die diesjährige “Soho in Ottakring”-Reihe ist für den 7. Mai bis 4. Juni 2000 angekündigt und wird von einem Rahmenprogramm mit Filmen, Musik und Lesungen begleitet. In die Veranstaltungen sind auch 10 Galerien eingebunden (u.a. Knoll, Hilger und Krinzinger).

FRAKTALE

Die Parochialkirche in Berlin-Mitte ist vom 7. April bis zum 5. Mai 2000 Ausstellungsort für das Projekt “Fraktale”. Der Zerfall der “einen Welt” ermögliche erst “die Wahrnehmung einzelner Fraktale”, es entstünde “eine neuartige Form der Freiheit, die die Vielheit der Dinge akzeptiert und einzig den Rhythmus und die Struktur als Basis besitzt”, schreiben die drei Künstler Jonas Burgert, Hans Finck und Ingolf Keiner über ihr Nebeneinander von Malerei, Installation, Performance, Video, Klang und Fotos im Kirchenraum. So will Hans Finck den Besucher in einen “interaktiv-phonetischen Lichtraum” entführen, der den “klanglichen Mikrokosmos” der eigenen Schritte bewusst werden läßt. Ingolf Keiners Videoskulptur zeigt dazu auf sieben Monitoren choreografierte Handlungen wie rituelle Verbeugungen, und Jonas Burgert hat eine Rabenkrähe “analytisch zerlegt”: Sein Objekt “System Tier” enthält 8.000 Vogelfedern. Außerdem beteiligt sich die “werkstatt – Forum für Philosophie und Kunst” mit einem “permanenten Gedankenraum”. Adresse: Klosterstr. 67, 10179 Berlin. Infos: www.kulturserver.de/home/fraktale.

HANSE-WISSENSCHAFTSKOLLEG

Das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) will den “Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst fördern”. Die 1995 gegründete Institution ist eine Stiftung der Länder Niedersachsen und Bremen sowie der Stadt Delmenhorst. Zur “Verstärkung” des Potenzials der umliegenden Universitäten ist das Forschungsprogramm interdisziplinär ausgerichtet. Ende Februar 2000 wurde das Labor “Art and Science” der Presse vorgestellt. Es soll “zu einem Experimentierfeld fruchtbarer Debatten zwischen Natur- und Sozialwissenschaftlern einerseits und Künstlern andererseits werden und die Künstler zur Produktion von Werken inspirieren, die anschließend im Kolleggebäude verbleiben”. Kontakt: Lehmkuhlenbusch 4, 27753 Delmenhorst, Tel. 04221-9160-0, Fax 04221-9160199, e-mail: hwk@www.h-w-k.de, Internet: http://www.h-w-k.de.

LICHTINSTALLATION

Die österreichische Künstlerin Brigitte Kowanz hat auf dem Gelände Lünerseepark in Bürs/Vorarlberg eine dauerhafte Lichtinstallation realisiert. Sie führt den zur Hälfte abgetragenen Schornstein eines 100 Jahre alten Fabrikgeländes visuell auf seine ursprüngliche Höhe zurück. In einem Aufsatz aus Kunststoff wird in bestimmten Intervallen eine Lichtquelle aktiviert, die den Schornstein je nach Tages- und Nachtzeit in unterschiedlicher Intensität und in verschiedenen Farben erleuchtet. Die Lichtsignale folgen dem Code des Morsealphabets. Brigitte Kowanz ist Bildhauerei-Professorin an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst und vertrat ihr Land auf den Biennalen von Venedig, Sao Paolo und Sydney.

AACHEN: HORTUS CONCLUSUS

Am 1. März 2000 begannen 12 Künstler mit dem Aufbau ihrer Installationen in einem ehemaligen Klostergarten, der heute zum Atelierhaus Aachen gehört. Unter den ausgewählten Bildhauern hatte die Jury auch drei Preise an Hiroshi Teshima, Hans Lamb und Nicole Hardy für ihre Entwürfe vergeben. Obwohl die Ausstellung erst im Juni 2000 eröffnet wird und dann ein halbes Jahr lang bis Ende November 2000 zugänglich sein soll, reisen die drei Preisträger und ihre neun Kollegen jetzt schon zu Beginn des meteorologischen Frühlings an. Denn einige von ihnen müssen rechtzeitig Pflanzensamen aussäen, für andere Beiträge muss das verwilderte Areal gartentechnisch hergerichtet werden, damit zur Vernissage alles grünt und blüht. Einzige Auflage: In jenem Teil, der früher als Friedhof genutzt wurde, dürfen die Künstler die Erde nicht umgraben – denn als die Stadt Aachen bei Auflösung des Klosters 1972 das Gelände übernahm, hatte sie den “Schwestern vom guten Hirten” zugesichert, dass die Totenruhe auch weiterhin respektiert werde. Initiator des Projekts ist Dr. Ludger Fischer, bis Ende 1999 Geschäftsführer des Aachener Atelierhauses. “Hortus conclusus – ein umschlossener Garten in einer unwirtlichen Umgebung” ist nicht nur ein reines Kunstprojekt, sondern soll dem Süsterfeld-Viertel am Rande der Innenstadt auch eine “Wohnumfeldverbesserung” bescheren. Industrie- und Handwerksbetriebe bestimmen das Umfeld des Atelierhauses. Bei einer Ortsbegehung mit den Künstlern gewann Dr. Fischer allerdings den Eindruck, dass die meisten Bildhauer die üppige Verwilderung des einst künstlich angelegten Gartens als “reine Natur” deuten.

TAG FÜR TAG

“12 Monate – 12 Künstler”: Ingo Gräbner hat ein neues Konzept für seine Produzentengalerie “Atelier Sömmering” in Köln-Ehrenfeld entwickelt. Jeweils einen Monat lang machen die eingeladenen Gastkünstler “Tag für Tag für Tag” den straßenseitigen Schaufensterraum und die hinteren Werkstatträume “offen für Blicke, Kontakte, Werkprozesse…”. Die Besucher werden keine statischen Ausstellungen oder Installationen vorfinden, sondern mit einer sich ständig ändernden Raumsituation konfrontiert werden. Im April lebt und arbeitet Norbert Diderich hier, der für die Ostertage schon eine Eiersuch-Performance eingeplant hat. Kontakt: I. Gräbner, Sömmeringstr. 42, 50823 Köln, Tel/Fax 0221-518783.

KUNSTPROJEKTE RIEM

In der Messestadt Riem am Rande Münchens leben in Kürze 16.000 Menschen. Für dieses Stadtentwicklungsgebiet hat die Stadt München eigens ein spezielles Kunstprojekt entwickelt. Es folgt nicht den üblichen Kunst-am-Bau-Wettbewerben zur gestalterischen Abrundung einzelner Gebäude, sondern konzentriert sich auf die gesamte urbane Infrastruktur der Neubausiedlung. Dieses Kunstprogramm betreut seit Herbst 1999 kuratorisch Dr. Claudia Büttner, und zwar zunächst für drei Jahre. Künstler werden eingeladen, sich auf die Situation vor Ort einzulassen und Projekte zu entwickeln, die im Einzelfall auch mehrere Jahre dauern können. Daneben gibt es in jedem Jahr ein Schwerpunktthema, zu dem ebenfalls Künstler “Katalysatoren für soziale Prozesse” und Angebote an die Anwohner “zur Aneignung ihres Stadtteils” entwerfen können. “Stadtmarken” im Sinne des “äusseren Umrisses der Messestadt” lautet das Thema für das Jahr 2000. Im Jahr 2001 steht das Thema “Wohnen” im Mittelpunkt, und 2002 soll das “öffentliche Leben” künstlerisch reflektiert werden. Zum “Auftakt der künstlerischen Realisationen” ist für den September 2000 ein Fest geplant. Julian Rosefeldt und Piero Steinle führen bereits ein Recherche-Projekt über “die historischen und architektonischen Bezüge des vorgefundenen Bestandes der Messestadt” durch. Felix S. Huber und Florian Wüst beschäftigen sich “mit dem Anteil der Medien an der Aneignung von Lebenswelt”. Michael Clegg und Martin Guttman planen ein weiteres Projekt. Für das Schwerpunktthema “Stadtmarken” konzipieren Chema Alvargonzález, Olaf Metzel und Sissel Tolaas Installationen und Skulpturen.

HAMBURGER ARCHITEKTURSOMMER

Rund 60 Veranstaltungen über Baukunst und Urbanistik umfasst der “Hamburger Architektursommer 2000”. Die Projektreihe dauert von Mai bis September 2000 und thematisiert den “nordischen Klassizismus” des 18. Jahrhunderts ebenso wie die aktuelle Planung der Hamburger “Hafen-City” und die zeitgenössische Museumsarchitektur. Die Hamburger Deichtorhallen zeigen dazu die beiden Ausstellungen “HausSchau – Das Haus in der Kunst” (12.5.-17.9. 2000) und “Museen für ein neues Jahrtausend” (31.5.-10.9. 2000).

KAUGUMMI IN VENEDIG

Kaugummi ist Denkmalschützern normalerweise ein Greuel. Von Kathedralenböden z.B. lässt sich die festgetretene zähe Masse nur mit sehr teuren Spezial-Reinigungsmaschinen wieder entfernen. Die luxemburgische Künstlerin Simone Decker (32) hingegen konnte als Biennale-Teilnehmerin im vergangenen Sommer ihre Kaugummiskulpturen unangefochten in Venedig vor historischen Gemäuern aufstellen. Denn sie dienten vor diesen Kulissen lediglich als Fotomotiv. In Wirklichkeit sind diese Plastiken nämlich relativ klein, nur in der Fotoaufnahme erscheinen sie als platzfüllende Monumentalskulpturen: Die Wahl eines bestimmten Blickwinkels der Kamera für die Aufnahme verzerrt die Maßstäbe und damit die Wahrnehmung. Im Februar 2000 stellte Simone Decker die Fotoarbeiten über diese Werkreihe “Chewing in Venice” in der Liechtensteinschen Staatlichen Kunstsammlung aus.

PLANET22

“Planet22 ist ein neuer Interventionsraum an der rue de Berne im Genfer Rotlichtviertel”, verkündet die Pressemitteilung. Über der Eingangstür zu einem ehemaligen Bordell befindet sich ein Glaskasten, der von der Straße und vom Inneren des Hauses her einsehbar ist, und der nun für künstlerische Installationen und Projektionen zur Verfügung steht. Das erste Projekt führen dort bis zum 22. April 2000 Patricia Nydegger und Gerwald Rockenschaub durch. Kontakt: Tel./Fax 022-7315381

ST. PAULI-MOSAIK

Der Hamburger Künstler und Designer Wolf von Waldow verschönert St. Pauli. In der Tordurchfahrt zu einem Neubau in der Talstraße wurde kürzlich nach seinen Entwürfen ein Bodenmosaik fertiggestellt. Die Motive beziehen sich auf die Geschichte des Ortes: Im 19. Jahrhundert gab es hier noch Wiesen und Weiden mit Kühen, heute bestimmen Matrosen und Polizisten das Stadtbild. Und da in manchen Rotlicht-Kaschemmen auch munter gezockt wird, sind diese Figuren so gestaltet, wie man es von Spielkarten kennt.

DER FREMDE BLICK

Vom 28. Mai bis 25. Juni 2000 findet in Hürth das dritte Kooperationsprojekt des örtlichen Einkaufszentrums mit dem Kulturamt statt. Silke Rehberg zeigt “Der fremde Blick” als Werkschau im Ausstellungsraum Hürth-Park-Arkaden und mit acht Installationen in den Schaufenstern des Einkaufszentrums. Dort will sie Köpfe aus Terracotta, Zeichnungen und Konsumartikel in Art einer Bildergeschichte (comic strip) aneinanderreihen. Die künstlerische “Thematisierung von Kaufvorgängen” ist nicht etwa als originelle Schaufensterdekoration misszuverstehen: Die Presseerklärung umreißt den theoretischen Überbau mit der Vokabel “Transkulturelle Begegnungen”.

REDEN ÜBER KUNST

Die Städt. Kunstsammlungen Augsburg führen derzeit eine Reihe “Reden über Kunst” durch. Am 4. April spricht Dr. Ludger Hünnekens (Kulturkreis im BDI) über die “Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Kunst”. Prof. Wulf Herzogenrath (Kunsthalle Bremen) gibt am 4. Mai einen Überblick über die Videokunst von 1963 bis heute, und Herbert Brödl stellt am 25. Mai seinen neuen Film “run 2000” vor. Alle Vorträge beginnen jeweils um 19.30 Uhr und finden in der Neuen Galerie im Höhmann-Haus, Maximilianstr. 48 statt.

SKULPTURENGARTEN SÜRTH

Aus im Sommer 2000 organisiert Helga Neef wieder Skulpturenausstellungen in ihrem Garten in Köln-Sürth (Carl-von-Linde-Str. 4, Tel. 02236-69681). Zur Zeit sind Arbeiten von Günther Thelen, Hilke Turre, Will Sinzig und Rosemarie Stuffer aufgestellt (bis 30. April 2000). Die nächste Ausstellung findet dann ab Mitte Mai statt. Öffnungszeiten: Fr/Sa 13-19 Uhr, bei schönem Wetter auch So 13-19 Uhr u.n.V. Helga Neef vermittelt die Künstler, mit denen sie zusammenarbeitet, auch an andere Gartenbesitzer.

SINGEN 2000

Der Titel “Hier Da Und Dort. Kunst in Singen” ist zwar nicht gerade ein Paradebeispiel für Einfallsreichtum, doch das Programm ist hochkarätig: Pipilotti Rist und ihre neugegründete Künstlergruppe “Grill 5” haben Schrebergärten entworfen, und Joseph Kosuth konzipiert für das Rathaus die räumlich größte Installation innerhalb seines bisherigen Gesamtwerks. Unter der künstlerischen Leitung von Jean-Christophe Ammann bereichern 19 Bildhauer und Concept-Künstler die Landesgartenschau Singen. U.a. nennt die Liste Roman Signer, Monica Bonvicini, Ayse Erkmen, Olaf Metzel und Ilya Kabakov. Das Projekt dauert vom 5. Mai bis zum 8. Oktober 2000.

FUTURA EXAKTUM

Auf der Insel Rügen wird derzeit eine ehemalige Militärbunkeranlage zu einem Erholungsort umgestaltet. Die Oldenburger Bildhauerin Insa Winkler führt dort ein Projekt mit dem Titel “Futura Exaktum” durch. Vom 22. Juni bis 16. Juli 2000 wird sie dieses Projekt in der Hamburger Kampnagel-Fabrik dokumentieren. Zu den Exponaten gehören Beton- und Stahlrelikte aus den Bunkertrümmern, Fotos, Modelle und Videos. Außerdem konzipiert sie eine “Bunkerraum-Klangsimulation”.

GEGEN FREMDENFEINDLICHKEIT

Nicht in Österreich, sondern in der Bretagne errichtete Hans Präffcke eine “Skulptur gegen Fremdenfeindlichkeit”. Präffcke nimmt dabei Bezug auf die Einwanderung der Kelten im 4. bis 7. Jahrhundert und ihre Freiheitsbestrebungen (immerhin sind heute alle Orts- und Straßenschilder zweisprachig, d.h. auf französisch und bretonisch abgefasst). Die Skulptur bestand aus Feldern, die Präffcke unmittelbar an der Küste zwischen den Granitfelsen mit Sandsteinstaub angelegt hatte, und die dann von der Flut in den Atlantik gespült wurden. “Dort werden sie sich erdgeschichtlich zu einem neuen Gestein verbinden”, hofft Präffcke, der darin “eine Metapher für die Verschmelzung der Kulturen” sieht.

14 STATIONS

Im Rahmen der diesjährigen Passionsspiele von Oberammergau zeigt der amerikanische Multimediakünstler Robert Wilson eine Licht- und Klanginstallation mit dem Titel “14 Stations”. Unmittelbar hinter dem Passionsspielhaus hat Wilson auf einem 2000 qm großen Areal 14 “Kapellen” auf der Grundrißform einer Kathedrale konzipiert. Sie zeigen die Stationen des Kreuz- und Leidenswegs Christi von dessen Verurteilung bis zur Auferstehung. Die Installation ist vom 21. Mai bis zum 8. Oktober 2000 zugänglich. Infos: www.passionsspiele2000.de.

FIFTY-FIFTY

300.000 Mark hat die Düsseldorfer Obdachloseninitiative “Fiftyfifty” im vergangenen Jahr mit Benefiz-Kunstwerken einnehmen können. Die Aktion soll fortgesetzt werden. Jörg Immendorff und Günther Uecker haben bereits versprochen, ein weiteres Werk zu stiften. Von Peter Royen sen. erhielt die Initiative ein Ölbild im Marktwert von 5.000 Mark. Ersteigert werden kann auch ein Bild von Hermann-Josef Kuhna, das im Kunsthandel normalerweise etwa 6.500 Mark kostet. Kontakt: Hubert Ostendorf, Tel. 0211-9216284.

JARDINS… A SUIVRE

Mehr als 40 Künstlergärten sind im kommenden Sommer in den Luxemburger Ardennen und im französischen Naturpark Lothringen zu entdecken. Die teilnehmenden Künstler wurden durch einen internationalen Wettbewerb ermittelt. Die temporären Garten-Installationen sind an den Orten wie Euville, Buxieres-sous-les-Cotes oder Dieue-sur-Meuse vom 1. Juni bis zum 1. Oktober 2000 frei zugänglich; es werden auch Führungen angeboten. Konferenzen und Theaterveranstaltungen begleiten dieses Projekt “Jardins… a suivre”. Infos: www.jardins-a-suivre.lu.

FLUSS-AKTION

Jan Hoet kuratiert für den Zeitraum 1998-2000 in Hannoversch Münden das Projekt “3 Räume – 3 Flüsse” (“Kunstforum” berichtete). Neun Projekte sind bereits in den Jahren 1998/99 an und in den drei Flüssen der Stadt (Fulda, Werra, Weser) verwirklicht worden. Bis Juni 2000 runden neun weitere Installationen den Zyklus ab. Teilnehmer sind u.a. Asta Gröting, Fabrice Hybert, Ilya Kabakov, Kazuo Katase, Andreas Slominski und Micha Ullman. “Die besondere Beziehung der Stadt zu ihren Flüssen macht es für die Künstler interessant, das spezielle Verhältnis zwischen der historischen Stadt und dem Wasser zu untersuchen”. So läßt Ilya Kabakov eine bogenförmige Brücke aus Metallstreben vom Ufer ins Wasser ragen. Bonnie Collura zitiert die Formensprache barocker Brunnenplastik. Zusätzlich zu diesen Freiluftinstallationen wird im Juni 2000 eine Ausstellung im Innenraum des historischen Packhofs eröffnet. Hieran nehmen u.a. Dieter Appelt, Serse, Roman Signer, Peter De Cupere, Ettore Spaletti und Tony Oursler teil.

SCREEN-HOUSE

Um die Jahreswende zeigten Markus Heinsdorff und Thomas Aigner auf der Fassade des Münchener Hypo-Hochhauses eine Internet-Großprojektion. Die 900 qm große Fläche bot sich als 7200fach vergrößerter Bildschirm an. Mittels eines Zufallsgenerators wurden Webseiten zur Projektion ausgewählt, die gerade “irgendein anonymer Internetuser auf der Welt angesurft” hatte. Ein Hochleistungsbeamer bildete aus einer 160 m entfernten Wohnung die Bilder auf der Fassade ab. Die Passanten konnten dadurch dem jeweiligen User 30 Sekunden lang “über die Schulter blicken”. Diese User selbst wußten natürlich nicht, dass sie gerade Spuren im öffentlichen Raum hinterließen: “Die reale Welt verleibt sich die virtuelle ein”. Im Mai 2000 wollen Heinsdorf und Aigner die Aktion “Screen House” in Berlin wiederholen. Was auf dieser Internet-Screen während der Münchener Projekttage zu sehen war, wurde ins globale Netz zurück gespeist: www.screen-house.de.

SAT-PROJEKTE

“SAT steht für gezielte Eingriffe in Monokulturen”. In unregelmäßigen Abständen entsendet das Züricher Migros Museum “einen SAT auf seine Umlaufbahn” im öffentlichen Stadtraum und in ursprünglich non-musealen Funktionsräumen. Die Struktur dieser Projekte ist prinzipiell offen. So hatte bis zum 19. März 2000 der Künstler Jörg Bosshard im ehemaligen Postamt von Fribourg seine Audioinstallationen “PAC” zugänglich gemacht – allerdings nur in der “öffentlichen Zone” der Räumlichkeiten. Eine “individuelle Zone” und eine “Produktionszone” hat er als privates Refugium zum Wohnen und Arbeiten für sich reserviert (wahrscheinlich, ohne bis zu diesem Zeitpunkt etwas über die deutsche RTL-II-Sendung “Big Brother” gewusst zu haben).Zeitgleich erstellt die Genfer Künstlergruppe “Klat” im Stadtraum ein “überdimensionales Wandgemälde” mit apokalyptischen Szenen.

GUT GASTEIL

Am 6. Mai 2000 beginnt eine Land Art-Biennale in Österreich. Die “Kunst in der Landschaft”-Projekte sollen bis zum Frühjahr 2000 zu sehen sein. 21 Künstler aus 9 Nationen erarbeiten ihre Skulpturen, Objekte und Environments auf dem Gutshof Gasteil und in dessen unmittelbarer Umgebung. In der Galerie des Gutshofs finden parallel dazu Ausstellungen statt. Infos: Charlotte Seidl, Gut Gasteil, A-2640 Prigglitz, Tel./Fax 02662-45633, e-mail: seidl@gutgasteil.at, Internet: www.gutgasteil.at.

TELEFONBUCH-KUNST

Was sich die Deutsche Post und Adressbuchverlage früher zur künstlerischen Illustration ihrer Telefonbücher einfallen ließen, erinnerte immer arg an die Motive der Schmuckblatt-Telegramme, mit denen man nichts falsch machen konnte, wenn man der Erboma zum 80. Geburtstag gratulieren wollte. Im Raum Aachen kommt “Das Örtliche 1999/2000” nun peppiger ins Haus: Der Neue Aachener Kunstverein wählte neun junge Künstler aus, die Titelseiten der Ausgaben von Aachen, Jülich, Erkelenz und den angrenzenden Bezirken zu gestalten. Da die Telefonbücher ein Jahr in Gebrauch bleiben, erhofft man sich eine “Langzeitwirkung” der Bildbetrachtung.

DIE HÖGE

In Bassum bei Bremen existiert Deutschlands erste Stiftung für Künstlerinnen. Die Initiatorinnen Dr. Barbara Baum und Barbara Reinhart haben dort den Künstlerinnenhof “Die Höge” gegründet und seit 1996 kontinuierlich ausgebaut (“Kunstforum” berichtete). Im Mai 2000 kann nun auch ein “artists in residence”-Programm mit Atelieraufenthalten beginnen. Bis zu zehn Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen können künftig auf dem Hof gleichzeitig leben und arbeiten. Für den 28. Mai 2000 ist ein Fest angekündigt, das am späten Abend mit Tanz und “Gemütlichkeit am Lagerfeuer” ausklingen soll. Kontakt: Die Höge, Högenhausen 2, 27211 Bassum, Tel. 04249-1377, Fax 04249-1332, e-mail: hoege@t-online.de. Internet: www.hoege.org.

BUTTER AUF BROT

Eine neue Veranstaltungsreihe hat der Pulheimer Kulturdezernent Dr. Gerd Dornseifer konzipiert: Alle zwei bis drei Monate findet an einem Sonntagvormittag ein Künstlerfrühstück in der Abtei Brauweiler vor den Toren Kölns statt: “Butter auf Brot”. Nachdem sich alle gestärkt haben, hält ein eingeladener Künstler einen Vortrag über seine Positionen und Projekte, begleitet von Bild- und Tonmaterial. “Angeregt vom Salongedanken früherer Jahrhunderte” erhofft sich Dr. Dornseifer zwischen Marmeladentoast und Schinkenbrötchen lebhafte Streitgespräche. Den Anfang machte im Januar 2000 der Düsseldorfer Lichtkünstler Mischa Kuball, der bereits 1994 eine Lichtinstallation in der Pulheimer Synagoge realisiert hatte. Die nächste Veranstaltung am 2. April 2000 hat das Thema “Musik”.