Ausstellungen: Wien , 2003

URSULA MARIA PROBST

Anri Sala

Kunsthalle Wien, 28.3. – 15.6.2003

Existenz ohne Widerstand ist wie leben, ohne das Leben zu spüren‘. Sich mit den Filmen des 29-jährigen albanischen Künstlers Anri Sala zu befassen, bedeutet in einen speziellen Denk- und Erfahrungsraum einzutauchen, in dem unterschiedliche Realitäten aufeinanderprallen. Im Ausstellungsraum bewirken Anri Salas Filme und Videos eine Verdichtung von Zeit. Überblendungen mit dem Raum werden durch die schwarze Abdunkelung der Wände ausgespart.

Eine nachhaltige Irritation löst eine Fotografie aus, die wie eine gigantische Fotomontage wirkt und ein weißes Pferd bäuchlings freischwebend auf einem Sockel ruhend zeigt. ‚Ich finde mich selbst in diesen Überlegungen wieder, ob ich die eigene Realität oder die der anderen absurd oder surreal finde‘, reagiert Anri Sala auf Interpretationsversuche seiner Werke. Seine jüngste Fotoarbeit ‚No Barragán No Cry‘ (2002), befasst sich mit dem Abwesenden und bezieht sich auf eine verschollene Skulptur im Garten der Villa des mexikanischen Architekten Luis Barragán. Das Abkoppeln von bereits vorgezeichneten und medial propagierten Realitäten dringt auch durch die Film- und Videoarbeiten von Anri Sala, dessen Filme durch Mittel der Inszenierung, Fiktion, Dokumentation, Intimität und Distanz zu einer emotionalen Intensität gelangen. Wie sich der Wandel des Stadtbildes von Tirana mangels budgetärer Mittel auf die Gestaltung bunter Fassaden beschränkt, wurde während eines Künstlergesprächs unter Teilnahme von Hans-Ulrich Obrist und Edi Muka eingehend debattiert. Die Frage, ob ein Künstler als Agent für Veränderungen zu funktionieren vermag, blieb dennoch ungeklärt.

Während die zeitgenössische westliche Welt zunehmend wie ein Themenpark erscheint, funktioniert diese Erlebnisprogrammierung in Tirana nur temporär. Diese Auseinandersetzung mit visuellen urbanen Phänomenen…

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von Ursula Maria Probst

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