Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 378
Ausstellungen: London , 2010

Edgar Schmitz

Chris Ofili

»Klischeeumspielungen«

Tate Britain, London 27.1. – 16.5.2010

Wie so oft in der Tate ist auch in der Ofili Austellung die vorgegebene Lesehaltung chronologisch. Von den frühen Arbeiten der späten achtziger Jahre und den super-ornamentierten der Neunziger über die Zusammenarbeit mit David Adjaye bis hin zu den neueren Malereien aus Trinidad, wo Ofili seit 2005 lebt und arbeitet, lässt sich die Folge der Ausstellungsräume vor allem als Maler-Biografie lesen, als Suche nach formalen Lösungen und Bildsprachlichkeiten, die vom exzessiven Dekor der explizit sexuellen Motive, ihrer Kombinatorik von Elefantenkot als ironischem Podest, pornografischen Körperfragmenten und aggressiven HipHop Titeln hin zu den fragenden, nie ganz gelösten Arbeiten der letzten Jahre führt. Durchgehendes Motiv ist dann, in dieser natürlich grundlegend konservativen Lesart, die Suche nach einem malerischen Vokabular und Ofilis Versuch, sich verschiedene Formalismen anzueignen und sich in der Auseinandersetzung mit ihnen (weiter) zu entwickeln. Das um Ofili stilisierte Künstlerbild, die Aufrdinglichkeit seiner eigenen Aussagen zu den Arbeitsreihen in der begleitenden Literatur, sowie die von der Tate produzierten Künstlervideos zur Ausstellung tragen dazu natürlich nicht unerheblich bei.

Was sich dabei aber auch abzeichnet, ist die Frage nach der Historisierung eben solch einer Biografie, und wieweit Ofili mittlerweile auch als Symptom neuerer Entwicklungen taugt. Also nicht sosehr, wie er sich entwickelt hat, sondern wie seine Arbeiten der letzten beiden Jahrzehnte auch sich verändernde Einstellungen zu Fragen des Klischees, der Künstlerfigur und der mit ihnen verbundenen Produktionsformen diskutierbar machen.

Zentral ist dafür die Spannung zwischen der ironisch/aggressiven Übernahme rassistischer (und sexistischer) Klischees, die sich aus Punk-Attitüden und…

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