Ausstellungen: Köln , 1997

Beate Eickhoff

Christian Hasucha

artothek, Köln, 6.3. – 29.4.1997

Die ‚öffentlichen Interventionen‘, die Christian Hasucha seit 1981 durchführt, sind für niemanden ein Ärgernis; sie sind weder Stadtmöblibierung, noch versuchen sie in Gesellschaftsstrukturen einzugreifen, und sie lassen sich sogar in traditionelle Kunstinstitutionen einbinden. ‚Öffentliche Interventionen‘ nennt Christian Hasucha seine Kunstaktionen und ‚Stadtimplantate‘ bewußt im Unterschied zum Begriff der Rauminstallation, beweist damit aber auch, daß für ihn die klassischen künstlerischen Konzepte von Plastik und Raum ebenso wichtig sind wie sein offensichtlicher psychologischer oder soziologischer Ansatz. Der Raum, in dem er arbeitet, ist zunächst einmal nicht der durch gemauerte, gedachte oder wie immer geartete Abgrenzungen definierte Ort, sondern der öffentliche Stadtraum, der sich höchstens an der Ausdehnung des unsichtbaren emotionalen und psychologischen Netz von Lebensgewohnheiten einzelner Personen festmachen läßt. In diesem Stadtraum, bevölkert von einer anonymen Masse, definiert sich der Einzelne mehr unbewußt als bewußt entlang der zahllosen nebensächlichen Details im ganz persönlichen Alltags-trott. ‚Öffentlichkeit‘ erscheint demgegenüber als ein übergeordnetes System automatischer Handlungs- und Bewegungsabläufe und unzähliger unbewußt registrierter Bilder. Christian Hasucha verfolgt dieses nebulöse, abstrakte Gefüge auf individuelle Spuren. Indem er Lebensgewohnheiten oder auch Sehgewohnheiten, die bei vielen gleich, in der individuellen Ausprägung aber singulär sind, eine Form gibt und so die Möglichkeit, ihnen mit Aufmerksamkeit und Sympathie zu begegnen, vergegenständlichen sie sich.

So hat Hasucha im Projekt ‚Intervention P‘ für eine Gruppe von Leuten Plattformen „an individuell bevorzugten Straßenmasten“ befestigt, wodurch für unbestimmte Zeit die Stadt von dieser veränderten Position aus betrachtet werden konnte. Oder er ließ bei der Intervention ‚Wege und Orte‘ eine Gruppe…

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von Beate Eickhoff

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