Ausstellungen: Lissabon · von Annelie Pohlen · S. 380
Ausstellungen: Lissabon , 2008

Annelie Pohlen

Come and Go: Fiction and Reality

Fundação Calouste Gulbenkian – Centro de Arte Moderna, 23.11.2007 – 1.6.2008

Für die Vorstellungen vom Paradies wie für jene vom Weltuntergang haben Mythenerzähler, Religionsstifter, Wissenschaftler, Künstler und namenlose Laien schon allerhand Kulissen verschoben. Symbolträchtige Daten wie 1984 und der 9.11.2001 sind als zukunftsweisende Horrorvision oder globales Allover-Medienereignis im Drehbühnenszenario des kollektiven Gedächtnisses gespeichert, irgendwo dort, wo sich subjektive Erinnerungswirklichkeit und fiktionales Wissen nicht mehr auseinander halten lassen. Dabei sind die technisch wie digital erzeugten Balanceakte zwischen dem, was man Wirklichkeit zu nennen pflegt, und dem, was eindeutig dem Fiktionalen zugerechnet wird, den traditionsreicheren Medien allenfalls deshalb überlegen, weil es ihnen immer noch gelingt, den Betrachter im unablässigen Shifting einzulullen.

Wenn man so will, dann sind in der von Christine Asche kuratierten Ausstellung „Come and Go: Fiction and Reality“ im Centro de Arte Moderna José de Azeredo Perdigão drei Drehtüren für die intellektuellen, intuitiven und physischen Kapazitäten der Wahrnehmung eingebaut: Jene der Reflexionsstrecke vom ursprünglichen Titel „Cinema Theatre“ über „Fiction vs. Reality“ zu „Fiction and Reality“; jener der Präsentationsform, die das leidige technische Problem mit Ton- und Lichtverhältnissen über die inhaltliche Reflektion in eine immanent künstlerische Regieanweisung übersetzt und diese schließlich so gestaltet, dass die Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Film und Videokunst in ein „Come and Go“ zwischen der Außenwelt des Museums und der Innenwelt der Vorführungsräume verwickelt. Und wesentlicher noch: Chris Markers legendärer Filmroman „La Jetée“, 1962 auf halber Strecke im Ausstellungsparcours, wohin oder wovon aus ein physisch wie geistig vereinnahmender, zwischen Offenheit und…

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