Ausstellungen: London , 2008

London

Edgar Schmitz

Mars ist manchmal auch langweilig

Martian Museum of Terrestrial Art, Barbican Art Gallery, London, 6.3. -18.5.2008

Der Vorwand der Ausstellung ist im Geschäft am aufdringlichsten: Star Wars Paraphernalien, Fernrohre, Lava-Lampen und anderer Astro-Kitsch sind hier als Marketingnotlage um eine Ausstellung gruppiert, die eigentlich auch wirklich interessant geworden sein könnte. Die kuratorische Prämisse ist klar angezeigt: die Ausstellung ist eine Museumsfiktion für Marsmenschen, alles, was in ihr von Joseph Beuys bis Francis Upritchard, von Bruce Nauman bis Ryan Gander zusammengetragen ist, ist als von Außerirdischen organisiert präsentiert. Das Katalogbuch ist als anthropologische Studie irdischer Kulturformen angelegt. Es gibt einen neu erfundenen Mars-Font, der unleserlich den englischen Wandtexten beigeordnet ist und auch die Beschilderung im Barbican Centre schmückt. Und die verschiedenen Sektionen des Marsmuseums irdischer Kunst ordnen ihr Material scheinbar bedenkenlos in Sektionen wie Ahnenverehrung, Schreine, Totems und Kommunikation ein.

Zum Teil gelingt dabei ein Spiel mit Erwartungen und institutionellen Konventionen, das ironisch anthropologische Methoden vorführt und damit gerade bekannte Arbeiten aus ihrem angestammten Interpretationsradius entfernen kann. Wo die Kuratoren sich in exzentrischen Kombinationen und Zusammenstellungen gehen lassen, öffnen vor allem in sich schon kombinatorische Arbeiten der 80er und ihrer Folge neue Lesarten. Mike Kelleys Stofftierschlange ist völlig unprätentiös neben Brian Jungens Turnschuhtotem, der hier auch nicht mehr einfach nur post-minimalistisch erscheint sondern neben Marcel Broodthaers’ Muscheltopf befremdlich monströs wird. John Bock und Joseph Beuys zusammenzuzwingen ist überzeugend und instruktiv, und auch Wim Delvoyes tätowiertes Schwein ist merkwürdig gut neben Andy Warhols Maobildern.

Ob das dann aber wirklich noch durch die Rubrik Ikonenverehrung gerechtfertigt werden…

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von Edgar Schmitz

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