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Ausstellungen: München · S. 443 - 443
Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan
Daniel Spoerri

»100 Kochrezepte«

Künstlerwerkstatt Lothringer Straße 13, 14.7.-6.8.1989

Er ist bekannt für seine skurrilen Tableau-Pièges, Wandtische, vollgepfropft mit Speiseresten, Suppentellern und Besteckmikado, berühmt für seine Fallenbilder und ent-täuschenden Détrompe-l’oeil-Collagen, berüchtigt für seine selbstgekochten Kuttelsuppen. Eat Art erklärte er zur Kunst, die Küche zur Wunderkammer für den Künstler. Die Verbindung von Essen und Kunst spielte im Leben des 59jährigen Daniel Spoerri schon immer eine besondere Rolle. Unkapriziös, leise und hintersinnig verabschiedete sich der Schweizer Künstler daher wohl mit einem letzten kulinarischen Auftritt von München und seiner sechs Jahre andauernden Professur an der Kunstakademie.

Seine Ausstellung „100 Kochrezepte (und mehr)“ ist eine zehnteilige Portfolio-Ausgabe mit seinen liebsten Rezepten, „groß-, um- und abgeschrieben, gekocht und erfunden von Daniel Spoerri“. Wie schon in früheren Projekten arbeitet Spoerri auch hier mit Kollegen zusammen: Illustriert wurden die hundert Blätter im DIN-A-2-Format von zehn seiner unterschiedlichsten Künstlerfreunde. Ganz gemäß Spoerris Überzeugung: „Nicht ein Stil ist der allein richtige, sondern jeder Einzelne muß den ihm passendsten Ausdruck für seine Aussage finden“ reiht die Serie Blatt für Blatt zu einem wild zusammengewürfelten Potpourri. Es ist ein Menü, das der Anatomie des Tieres folgt, ausgehend von den Innereien Lunge, Herz und Hirn hin zu (Schweins-)Kopf und (Kalbs-)Füßen bis zu Raritätengerichten aus Fett und Blut, Hoden und Kutteln. Je nach Speisekomponente rundeten die Künstler das Rezept mit Malerei, Zeichnung oder Karikatur ab. Sabine Schroer zeichnet minutiös wie für ein Medizinlexikon das „Herz“-Stück, Christian Ludwig Attersee malt pastos in Öl, abstrakt, geometrisch-mathematisch der Strich Karl Gerstners („Fett“), absurd-komisch die Aquarellillustrationen von Roland Topor…


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