Titel: Kunst und Wirtschaft · von Dieter Buchhart · S. 38
Titel: Kunst und Wirtschaft , 2010

Dieter Buchhart

Der Künstler als CEO und der CEO als Künstler

Eine wechselvolle Beziehung von Kapital, Kapitalismus, Marx und der Kunst

Nach marxistisch-leninistischer Lesart ist der Kapitalismus die höchstentwickelte Form der Klassengesellschaft. Er entspringt aus den Produktionsverhältnissen, die einerseits auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln infolge des Besitzes von Kapital beruhen und andererseits auf der Ausbeutung in Form der Lohnarbeit, wobei die Arbeit nicht der Entfaltung der Menschen, sondern der Schaffung von Mehrwert und Profit sowie dem Kreislauf und der Akkumulation von Kapital dient. Doch was ist die künstlerische Lesart des Kapitalismus nach dem Untergang der kommunistischen Planwirtschaft in einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten globalen Wirtschaft, in welcher der Kapitalismus als das scheinbar einzig gültige und überlebensfähige System verstanden wird? Wie beurteilen KünstlerInnen den Kapitalismus in einer Zeit der Krise, in der nicht nur Karl Marx’ Lesart des Kapitals wieder salonfähig zu werden scheint, sondern von manchen gar das Ende des Kapitalismus an sich prophezeit wird?

Mehr als ein Jahrhundert lang dominiert der homo oeconomicus, der Wirtschaftsmensch, unser Wirtschaftssystem und in den letzten Jahrzehnten scheinbar zunehmend unser politisches und gesellschaftliches System. Dieser kann als Nutzenmaximierer definiert werden, der, der neoklassischen Wirtschaftstheorie folgend, sein Entscheidungssystem als Wissender rein rational anlegt, um seinen eigenen Nutzen ohne Rücksicht auf andere zu maximieren. Aufgrund der Bedeutung des Kapitalismus erstaunt es nur wenig, dass sich zahlreiche KünstlerInnen mit dem sie umgebenden Wirtschaftssystem meist kritisch auseinandersetzen. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg verwies Otto Dix in seinen veristischen Werken auf die wirtschaftliche Not der Zwischenkriegszeit. George Grosz bezog noch deutlicher zum Kapital…

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