Titel: Kunst und Wirtschaft , 2010

Gerald Nestler

Heavy Rotation System

Wie Zukunft Gegenwart schafft und Optionen sich als Kunst darstellen.

Als sich John von Neumann und Oskar Morgenstern um 1940 in den USA trafen, war dies eine folgenreiche Begegnung für eine Disziplin, die mit Automaten, Computern und Atombombe wenig zu tun zu haben schien. Doch mit der Verbindung so verzweigter Gebiete wie der angewandten Mathematik, der Wahrscheinlichkeitstheorie, den Wirtschaftswissenschaften, der Informatik und Automatentheorie unter der experimentellen Einbindung von Spielen schufen sie einen Meilenstein der modernen Ökonomie, wie Philip Mirowski in seiner Studie „Cyborg Science“ (Cambridge, 2002) beschrieben hat. 1944 veröffentlichten die beiden „Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten“ (Theory of Games and Economic Behavior) und schufen damit die Spieltheorie.

Dass Computer, Raketenbau und Atombombe, Informatik und Kybernetik, Informationstechnologie und experimentelle Ökonomie nahezu zeitgleich geboren wurden, zeigt wie eng verwoben viele dieser unsere heutige Lebensrealität bestimmenden Einflussfaktoren sind. Diese „Renaissance“ des Wissens fand mitten im 2. Weltkrieg statt. Es ist vielleicht nicht ganz unerheblich, sich diese Tatsache vor Augen zu halten. Was ihren mathematischen, informationstheoretischen und technologischen Background betrifft – die „Cyborg Economics“ – geht die Finanzkrise unserer Tage auf diese Zeit zurück. Später entwickelte spieltheoretisch-finanzmathematische Formulierungen – wie etwa das Nash-Gleichgewicht und das Black-Scholes-Modell zur Bewertung von Optionen – hatten eine enorme Auswirkung auf die Praxis des Börsenhandels, sie ermöglichten die gigantischen Risikogeschäfte unserer Tage erst.

Ein Aspekt ist neben der Kalkulation von Risiko für jedes Geschäft grundlegend: Vertrauen. Niklas Luhmann bezeichnet es als „riskante Vorleistung“, die eine Handlungsalternative braucht, um sich entfalten zu können. Wieder war es ein Septembertag, diesmal…

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von Gerald Nestler

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