Ausstellungen: Hamburg · von Jens Rönnau · S. 364 - 365
Ausstellungen: Hamburg , 2000

Jens Rönnau

Georg Baselitz

»Das große Pathos«

Hamburger Kunsthalle, 10.12.1999 – 27.2.2000

Der Künstler zerstört leidenschaftlich das, was vor ihm da war, um wieder lebendig zu sein“. Mit jenem Baselitz-Zitat von 1987 wird die umfangreiche Schau mit 107 Werken in der Hamburger Kunsthalle eingeleitet – davon 12 meist großformatige Gemälde, 32 Zeichnungen und Aquarelle, der Rest ist Druckgrafik. Es sind vorwiegend Arbeiten der 60er und 70er Jahre in einem recht guten Querschnitt, weshalb man die Ausstellung für diesen Zeitraum als retrospektiv bezeichnen kann. Nur beispielhaft wird einiges aus den beiden letzten Jahrzehnten gezeigt, was kaum verwundert, wenn man sich klarmacht, dass sämtliche Exponate aus einer einzigen Hamburger Privatsammlung stammen. Obwohl die Zusammenhänge allgemein bekannt sind und der Besitzer auch selbst als Autor im Katalog zu Wort kommt, wird der Name des Sammlerpaars vornehm verschwiegen.

Was in der Ausstellung ein komplettes Stockwerk der Galerie der Gegenwart füllt, belegt indes in vielfältiger Weise jenes Zitat über die Zusammenhänge von Zerstörung und Lebendigkeit und wird auch sogleich durch das erste Exponat bebildert: eine große blaue Aquarellskizze von 1976, männlicher Akt – selbstverständlich kopfstehend. Es ist Auftakt für einen Rundgang durch das Werk jenes gesellschaftlichen Protestierers und stilistischen Hinterfragers. Somit stehen die Bilder der 60er Jahre zunächst einmal „richtig“ herum, auch wenn sie die damalige Gesellschaft auf den Kopf stellten.

Als aufgeklärter Vor-68er, der als Kind die Grausamkeiten des Krieges erlebte und der sich rechtzeitig dem neuen Totalitarismus in seiner ostdeutschen Heimat entzog, spießt er die Spießbürgerlichkeit der Nachkriegsgesellschaft auf, malt schockierend-dämonische Bilder mit Totenköpfen und machtgeilen Männerschwänzen knabenhafter Nazifratzen….

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