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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 422 - 423
Ausstellungen: Düsseldorf , 1989

Heinz-Norbert Jocks
Gérard Garouste

Kunsthalle, 29.7.-17.9.1989

Gérard Garouste, dem es nicht darum geht, zu etwas „zurückzukehren“, sondern Tradition, ältere wie moderne, in das zeitgenössische Bewußtsein einzuschleusen, kultiviert wie kein anderer, weil er sich mit ihr beschäftigt hat, seinen eloquenten Ausstieg aus den kaum noch einlösbaren Forderungen innovationssüchtiger Avantgarde. In Frankreich gilt der 1946 in Paris Geborene, der sich nicht einmal hinter dem hilflosen Prinzip ewiger Prinzipienlosigkeit versteckt, schon seit vielen Jahren als einer der großen zeitgenössischen Maler. Bei aller Anerkennung, die er im westlichen Europa, wie vor kurzem durch Ausstellungen im Centre Pompidou und Stedelijk Museum in Amsterdam belegt, erfährt, ist Garouste bei uns kaum bekannt. Die Düsseldorfer Kunsthalle widmet ihm, der heute in Marcilly-sur-Eure lebt, jetzt eine respektable Einzelausstellung, im Grunde die erste wichtige in der Bundesrepublik, die den Zeitraum von 1971 bis heute umfaßt.

Deutlich wird, daß es sich bei Garouste um einen Maler von Weltrang handelt, der sich nicht leicht in die großen Bewegungen einordnen läßt, ein postmoderner Zeitgenosse auf der Dauersuche nach der Zeitlosigkeit, der sich über die „Aktionen der Avantgarde“ ärgert und sich nicht scheut, sich auf Joseph Beuys und Marcel Duchamp zu berufen. Faszinierend an der Ausstellung, daß man sehen kann, wie er sich, indem er aus dem reichen Fundus bewährter Tradition schöpft, der Psychologie und Zeitanalyse entzieht. Er malt nicht zur Belehrung der Betrachter, sondern arbeitet aus persönlicher Notwendigkeit, wobei sein ausgeprägter Hang zur bannenden Mythologie die Basis kollektiver Wahrnehmung voraussetzt. Seine Produktion ist erfüllt von triebhafter Motorik und nervöser Leidenschaftlichkeit, die alles angreifen, durchdringen, entflammen…


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