Ausstellungen: Vaduz , 2012

Stephan Maier

Günter Fruhtrunk

»Farbe Rhythmus Existenz«

Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, 25.5.2012 – 2.9.2012

Ist es das Comeback des Jahres? Günter Fruhtrunk, dem das umsichtige Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz eine verschwiegen-spektakuläre Werkschau widmet, war nach seinem Selbstmord im Jahr 1982 schlicht vergessen. Oder er wurde von den blutleeren Gralshütern eines konkret-konstruktiv orientierten Formalismus geflissentlich übergangen, einfach tot geschwiegen. Und in „Monopol“ sprach man noch vor drei Jahren reichlich zynisch vom „Aufstieg und Fall des Günter F.“ und reihte ihn in die Riege der tragisch endenden Protagonisten der boomenden bundesdeutschen Nachkriegskunst ein.

Die großen Retrospektiven in Berlin, Münster und München liegen nun auch schon wieder knapp zwei Jahrzehnte zurück. Jetzt aber ist die „angespannteste Totalpräsenz“, so sein Wegbegleiter Max Imdahl, der gegenstandsfernen Farb- und Formkonstellationen in ihrer radikalen Dynamik und energisch-energetischen Aufladung wieder, oder zum ersten Mal überhaupt zu entdecken.

Fruhtrunk, langjähriger und legendärer Professor an der Akademie der bildenden Künste in München, war nicht nur nebenbei bekennender Bach- und Messiaen-Enthusiast, führte ein Leben ohne kleinliches Tempolimit und war, wie man so schön nichtssagend sagt, auch in seinem Werk immer auf der Überholspur. Oder besser: Jede Spur und jede Zone war ihm automatisch Rennstrecke und Hochgeschwindigkeitstrasse in einem; berauscht und rauschhaft unterwegs war er nicht nur in seinem berüchtigten Alfa Romeo Giulia mit den signalrot überdeckten Armaturen und immer neuen, inoffiziellen Rekordfahrten auf der Autobahn zwischen München und Paris, sondern auch in musikalischen Exzessen auf Überschalllautstärke in seinem Rückzugsort Périgny-sur-Yerres.

Abgeklebt aber hat Günter Fruhtrunk nur seinen Tachometer. Ansonsten herrschte der geometrischen Präzision und Kalkulation zum Trotz der…

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von Stephan Maier

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