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Ausstellungen: Barcelona · von Uta M. Reindl · S. 364 - 366
Ausstellungen: Barcelona , 2012

Uta M. Reindl
Mona Hatoum

»Projection«
Fundación Miró, Barcelona, 22.6. – 24.9.2012

Im Spätsommer präsentierten sich nahezu zeitgleich zwei starke Bildhauerpositionen einer Generation in den großen Häusern Barcelonas: Rita McBride im MACBA, dem Museum für zeitgenössische Kunst im Stadtzentrum, und Mona Hatoum in der Fundación Miró oben am Berg Montjuic. Beide arbeiten mit modellhaften Skulpturen, beide beziehen sich auf Alltagsgegenstände, beide verfremden Materialien. Doch während die US- Amerikanerin Rita McBride ihre Sujets eher mit Distanz und abstrahierend ironisch angeht, lädt die palästinensisch-britische Künstlerin mit Londoner und Berliner Wohnsitz, Mona Hatoum, ihre Werke inhaltlich und auch emotional stark auf. Selbst für die abstrakten Arbeiten gilt dies, wenn auch auf höchst subtile Weise.

Anders als in den 1980er Jahren, als Mona Hatoum mit der dreistündigen Performance Negotiating Table ein Massaker in einem palästinensischen Flüchtlingslager zum Anlass nahm, sich in einem Leichensack eingeschnürt auf einen Tisch zu legen und mit Blut und Gedärmen zu bedecken, ist ihre politische Botschaft heute reduziert, deshalb nicht minder eindringlich. So ist der minimalistische Kubus aus Stacheldraht mit dem lapidaren Titel Cube (2008) über seine kinetischen, sprich kunsthistorischen Referenzen hinaus ein ebenso politisch kodiertes Objekt. Oder die im Innenhof der Fundación Miró installierte Plastik aus Sandsäcken, durch deren Jute viel Grün sprießt. Sie ist auch eher harmlos Hanging Garden (2008) genannt und lässt an Arte Povera oder gar Ökokunst denken, assoziiert aber ebenso Schutzwälle aus Sandsäcken, wie sie etwa im Krieg oder im Katastrophenfall zum Einsatz kommen. Unter die Haut geht doch die Widersprüchlichkeit zwischen Material und Form angesichts der Handgranaten…

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