Ausstellungen: Wien · von Dieter Buchhart · S. 356
Ausstellungen: Wien , 2003

DIETER BUCHHART

Hamish Fulton

Bawag Foundation, Wien, 28.11.2002 – 2.2.2003

Muskeln spannen sich an. Ein Fuß löst sich vom Boden. Das eine Bein hält, einer Säule gleich, den Körper aufrecht zwischen Himmel und Erde. Das andere wird vorgeschwungen. Das Gleichgewicht verlagert sich. Die Ferse berührt den Boden, dann die Zehen. Ein Schritt, der den Bogen vollendet. Die Ferse hebt sich, das Gleichgewicht verlagert sich. Und das andere Bein wird vorgeschwungen,“1 beschreibt die Autorin, Kritikerin und Öko-Aktivistin Rebecca Solnit den physischen Akt des Gehens. Doch Gehen ist weitaus mehr als Fortbewegung für Solnit. Es bedeutet Pilgertum, Romantik, Erotik, Flucht, Vernunft, Besitz, Begegnung, Ritual und Meditation. Sie setzt fort: „Der Rhythmus des Körpers bewegt den Geist, klärt Ideen und eröffnet den Gedankenfluss: Gehen ist ein Mittel zum Denken, mehr noch, Gehen ist Denken.“

Die Verbindung der Bewegung durch die Landschaft mit jener der Gedankenbewegung findet sich auch beim britischen Künstler Hamish Fulton, der festschreibt: „Kein Gehen, keine Kunst“. Bereits 1973 hatte sich der damals 27-jährige nach einer 47-tägigen Wanderung von Duncansby Head bis Land’s End entschieden, „nur mehr Kunst zu machen, die aus der Erfahrung individuellen Gehens entsteht“. Zuvor hatte er mit einer Gruppe von Künstlern wie Richard Long und Gilbert & George auf der Suche nach einem neuen Skulpturbegriff Bekanntheit erlangt. Sie distanzierten sich sowohl vom klassischen Objekt als auch den Monumentalprojekten der amerikanischen Land Art.

Konsequent verzichtet Fulton auf die Repräsentation der Natur mittels gesammelter Naturmaterialien, wodurch er sich von Richard Longs Landschaftsbegehungen unterscheidet. Er greift nicht in die Natur ein, sondern konzentriert sich auf…

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