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Magazin: Publikationen · von Michael Hauffen · S. 498 - 498
Magazin: Publikationen , 1998

Henning Schmidgen:
Das Unbewußte der Maschinen

Konzeptionen des Psychischen bei Guattari, Deleuze und Lacan

Bereits Nietzsche legte in die traditionelle Vorstellung von Maschinen als Objekten, die dem Menschen als reine Mittel zum Zweck dienten, den Keim der Irritation, als er sich selbst als Maschine bezeichnete, „aber eine Maschine, die auch zerspringen kann.“ Falls das destruktive Moment dabei an etwas denken läßt, das nicht nur Schrecken, sondern auch Befreiung bedeutet, ist man dem Maschinenbegriff, den Deleuze/Guattari vor 30 Jahren in ihrem „Anti-Ödipus“ entwickelt haben, schon sehr nahe. Diese haben nämlich versucht, frühkindliche Prozesse und ihr Fortleben im erwachsenen Unbewußten als „Wunschmaschinen“ zu beschreiben. Es geht dabei nicht immer so lustig zu wie in einem Spielzeugpark, aber eine wesentliche Intention dieser provokativen Theorie dürfte auch der Wunsch gewesen sein, die moderne Welt mit ihren Vorstellungen von einem kontrollierbaren Glück zu kritisieren, ohne dabei zum zwanghaften Neinsager zu werden.

Ein paralleles Problem mit einer ebenfalls am Kriterium der Kontrollierbarkeit orientierten Wissenschaft löst sich hier in der Form, daß ein starkes Interesse an literarischen und anderen ästhetischen Prozessen manifest wird, bei denen es nicht um vernünftige Reduktion, sondern um eine Struktur vielschichtiger Verbindungen und Durchdringungen geht, die aus den hemmenden Schemen von Rationalität und Normalität herausführen soll.

Die Gefahr bei solcher Art von Philosophie dürfte sein, daß damit einer „wilden“ Spontaneität zugesprochen zu werden scheint, die regelmäßig über ein blindes Wiederholen durchschnittlicher Klischees von Freiheit und Grenzüberschreitung nicht hinauskommt. Wie provokativ der Begriff der „Wunschmaschinen“ auch immer gemeint war – er war vor allem gegen die erstarrten Strukturen innerhalb…

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