Titel: Kunst und Literatur II · von Heinz-Norbert Jocks · S. 256
Titel: Kunst und Literatur II , 1998

Georges-Arthur Goldschmidt:

»Ich stehe da und bin das Auge auf dem Küchentisch«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Georges-Arthur Goldschmidt, 1928 in Reinbek bei Hamburg in großbürgerlich-protestantischer Familie jüdischer Herkunft geboren – sein Vater überlebte Theresienstadt, der Sohn floh nach Frankreich -, schrieb Romane und Essays in Französisch. Deutsch ist ihm zur Sprache der verlorenen Kindheit geworden, eine Exilsprache, aus Leiden geboren. Übersetzen, behauptet der psychoanalytisch beschlagene Goldschmidt, sei stets eine Arbeit des Unbewußten: „Ein Bilderstau wartet nur auf den Zugang zur Sprache. Darin unterscheidet sich der Übersetzer vom Schriftsteller, der Adept vom Autor, nicht mehr.“ Kein Wunder, daß er sich schließlich zwei, drei Autoren mit Leib und Seele verschrieben hat, Nietzsche zuerst, dessen Zarathustra er nach einem Schlüsselerlebnis einfach übersetzen mußte, dann Kafka, vor allem aber Peter Handke. Ohne diesen Übersetzer, der sich als ein in Malerei verliebter Augenmensch versteht, gäbe es Handke in Frankreich nicht. Über seine Liebe zur Bildenden Kunst, seine tiefe Skepsis, die Genese von Bildern, über Auge und Geist sowie über Sehen und Schreiben, das Malen mit Wörtern oder mit Farben sprach in Paris mit ihm Heinz-Norbert Jocks.

*

H.-N.J.: Stimmt es, daß Sie sich durch das Übersetzen Handkescher Prosa in eine Sprache hineinfanden, von wo aus Ihr spät beginnendes Erzählen erst möglich wurde?

G.-A.G.: So ist es, aber meine Geschichte ist dann doch meistens literarisch erdacht. Ich weiß gar nicht mehr, was daran erfunden oder autobiographisch ist. Zwei Bücher habe ich früher geschrieben, nämlich: Ein belangloser Leib und Der Fidibus. Beide waren so ausufernd, aufgebläht, kritisch, hektisch und ein bißchen sozialkritisch,…

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