Ausstellungen: Berlin , 1998

Jutta Schenk-Sorge

Erwin Blumenfeld

»Dada und Fotografie« – Retrospektive

Kunstbibliothek Staatliche Museen, 11.11.1997 – 1.2.1998

Erwin Blumenfeld galt um 1950 in New York als der berühmteste und bestbezahlteste Fotograf der Welt.

Sicher war er in den Vierzigern und Fünfzigern einer der experimentierfreudigsten und innovativsten, in der Modefotografie, wo er neue Standards setzte, wie in freigeschaffenen Aktaufnahmen. Die im Augenblick so aktuelle Wechselwirkung zwischen Kunstavantgarde und Modewelt findet sich in Blumenfelds Werk bereits vorgezeichnet. Der Zeit entsprechend zog er allerdings einen scharfen Trennungsstrich zwischen künstlerischer Fotografie und Auftragsarbeiten.

Heute sind die Grenzen weitgehend verwischt. Modefotos von Jürgen Teller beeinflussen den Kunstnachwuchs, Mode und Werbung werden als künstlerisches Terrain besetzt, von Silvie Fleury oder Regina Möller, Künstler übernehmen Fotoaufträge für Modefirmen, etwa Cindy Sherman oder Inez van Lamsweerde. So liegt es nahe, auch Blumenfelds Werk nicht mehr in überholten Kategorien, sondern als facettentreiches Ganzes zu betrachten. Gelegenheit dazu bietet eine umfassende Retrospektive, die zu seinem hundertsten Geburtstag im vergangenen Jahr zustande und nun nach Berlin kam. Blumenfeld selbst, der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammte, fühlte sich zeitlebens als Berliner, obwohl er schon mit Zwanzig nach Amsterdam, 1936 nach Paris und 1941 in die USA ging. Hitler trieb ihn über den Ozean, doch zahlte er es dem Diktator heim. Millionenfach wurde ein satirisches Porträt mit Hitler als Totenkopf, das auch zu diesem breitgefächerten Werk gehört, von den Amerikanern 1943 als Flugblatt über Deutschland abgeworfen. In Berlin hatte Blumenfeld schon sehr jung in den Boheme-Kreisen mitgefeiert und sich Dada angeschlossen. Davon berichtet er später in einer ironisch-sarkastischen Autobiografie. Geistesverwandte Freunde…

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von Jutta Schenk-Sorge

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