Ausstellungen: Berlin , 1998

Peter Funken

Blalla W. Hallmann

Eine Retrospektive

Gehag Forum, Berlin, 10.12.1997 – 5.3.1998

Die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Gehag, deren erstes großes Projekt 1930 mit Bruno Tauts Hufeisensiedlung in Berlin-Britz vollendet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht in ihrem Kulturforum permanent zeitgenössische Kunst zu zeigen.

Derzeit findet dort eine Ausstellung von Werken des Malers Blalla W. Hallmann statt, der im Juli letzten Jahres im Alter von 56 Jahren starb.

Wolfgang Hallmann, dessen Spitznamen Blalla zu seinem Künstlernamen wurde, gehört zu den Ausnahmeerscheinungen der deutschen Kunst. In der überspitzten Darstellung gesellschaftlicher Wirklichkeit ist er eigentlich nur vergleichbar mit bedeutend älteren Künstlern wie Otto Dix und George Grosz. Das Gehag Forum zeigt eine kleine Retrospektive seiner Werke, und dabei kann man auch die lyrische und phantastische Seite dieses hochbegabten Künstlers kennenlernen. Geboren im Krieg und durch ihn traumatisiert, hat Hallmann die Nachkriegszeit und Adenauer-Ära mit ihrem Aufbaugetöse bewußt miterlebt und sich sofort verweigert.

1960, nach einer Anstreicherlehre, inscribierte er sich an der Nürnberger Kunstakademie und lernte dort die technischen Möglichkeiten und Finessen der Malerei. In der Kunst sah er eine moralische Instanz, die aufklären und Partei beziehen sollte. Mit dieser Haltung war er zu Beginn der 60er Jahre sowohl unzeit- wie zeitgemäß: Gegen die Strömung der Epoche, und das hieß gegen Informell und abstrakten Expressionismus, revoltierte nicht nur er, sondern viele seiner Generation. Ob Baselitz, Sigmar Polke oder Blinky Palermo – die Lehren einer internationalen Moderne in Form des abstrakten Expressionismus wurden negiert und mit Pop-art, Minimal und realistischer Kunst bekämpft. Kaum einer seiner Generation hat jedoch so provozierend und…

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