Titel: Kunst und Literatur II · von Heinz-Norbert Jocks · S. 265
Titel: Kunst und Literatur II , 1998

Thierry Dufrene

Über das Analogon, Sub-Bilder und Schwellenrituale in Kunst und Literatur

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

1957 geboren, denkt Thierry Dufrêne auf höchst eigenwillige Weise über Genet und Giacometti nach, pendelnd zwischen Literatur und Kunst. Er, der 1991 eine Giacometti-Ausstellung am Pariser Musée d’art moderne kuratierte, unterrichtet am kunsthistorischen Institut der Universität in Lyon. Mit ihm sprach in Paris Heinz-Norbert Jocks über die fließenden Übergänge.

*

H.-N.J.: Welche Beziehung haben Sie als Kunsthistoriker zur Literatur?

T.D.: Von meiner Ausbildung her Historiker und mit Kunstgeschichte befaßt, verdanke ich Giacometti meinen ersten grundsätzlichen Kontakt zur Literatur. Kaum, daß ich mich mit ihm auseinandersetzte, stellte ich fest, daß er enorm viel las, und zwar so gut wie alle Formen der Literatur. Wie von mir dargelegt, hat er Schriften von Sigmund Freud auf Deutsch gelesen, besonders dessen Interpretation der Träume und seine Reflexionen über Das Ich und das Es. In der Folge und auch aufgrund seiner Verflechtung mit den Surrealisten hat er sich in André Bretons Werk vertieft. Er las Michel Leiris, der als erster über Giacometti schrieb und, wie Sie wissen, 1940 Mannesalter, ein autobiographisches Werk, veröffentlichte. Was er selbst schrieb, erschien bei Herrmann. Er hatte die ganz ungewöhnliche Gewohnheit, Aufzeichnungen in Heften vorzunehmen, in die ich Einblick hatte. Leider ist die Frage des Erbes Giacomettis in juristischer Hinsicht kompliziert, denn seine Frau Annette starb vor drei Jahren. Die Hefte sind versiegelt, und obgleich sie nicht geöffnet werden dürfen, ist ein Teil davon publiziert. Darin skizzierte er nicht nur kleine Projekte, Gedichte, Schriften, Gedanken und alles, was…

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