Ausstellungen: Wien · von Rainer Metzger · S. 424
Ausstellungen: Wien , 1997

Rainer Metzger

James Coleman

Wiener Secession, 21.3. – 20.5.1997

Michael Fried hatte es eigentlich negativ gemeint, als er in seinem „Art and Objecthood“ der Kunst der Jahre um 1967, also jenen spezifischen Objekten, für die sich bald der Terminus „Minimal Art“ durchsetzen würde, bescheinigte, sie sei theatralisch. Allzu offensichtlich sei sie mit den „aktuellen Umständen“ beschäftigt, in denen der Betrachter dem Werk begegne. Sie bedürfe deswegen einer „speziellen Komplizenschaft“ mit dem Rezipienten, und darüber hinaus existiere die ästhetische Erfahrung, die sie gestatte, ausschließlich in der Zeit. Drei Dekaden später dürfen wir feststellen, daß die künstlerischen Artikulationen, die Fried ins Visier nahm, zwar obsolet sind, nicht aber die Invektiven, denen er sie aussetzte. In Gestalt von Phänomenen wie Kontext, Tribalismus und Realzeit hat der Kunstbetrieb Frieds Lamento beherzigt und in wunderbarer Self-Fulfilling Prophecy ins Positive gewendet.

In der Wiener Secession war zu besichtigen, wie eine zum Programm gemachte Theatralität aussieht. James Coleman hat drei seiner kinematographischen, mit Diaüberblendung und Sprecher aus dem Off operierender und dabei einen Handlungsfaden verfolgender Installationen eingerichtet. Insgesamt achtzig Minuten Laufzeit benötigen die Vorführungen gemeinsam, doch weil sich jede von ihnen als Endlosschleife präsentiert, die Beginnzeiten also nicht synchronisiert sind, darf sich der Besucher, der alles sehen will, einen Nachmittag um die Ohren schlagen. Was die bildende Kunst den anderen Gattungen, ob nun Musik, Kino, Theater oder Literatur, voraushat, nämlich die Möglichkeit zu simultaner Rezeption, ist hier preisgegeben. Coleman restituiert die je nachdem totalitäre oder souveräne Geste eines Erfahrungs-Kontinuums, das sich im Vollzug durchaus an Strategien des Gesamtkunstwerks orientiert. Coleman, geboren…

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