Ausstellungen: Köln , 1997

Stefan Römer

Josephine Pryde – Vicinage

Galerie Christian Nagel, 8.3. – 19.4.1997

Was verbindet die Fotoserie einer Menschengruppe auf der Einladungskarte? Erzeugt alleine die Bildfolge ein narratives Moment? Auch der Ausstellungstitel gibt keine Antwort: „Vicinage“, eigentlich mit „Nachbarschaft“ oder „Nähe“ übersetzt, hat im Englischen eine weitere Bedeutung. Vielleicht meint er etwas „Vertrauliches“ oder etwas, das das „Eigene“ betrifft?

Wenn das Spektrum der von der englischen Künstlerin Josephine Pryde präsentierten Fotografien und Objekte darauf bezogen wird, ließe sich ein subjektivistischer Entwurf vermuten. Eine breitformatige Fotografie, die an eine Überblickskarte an einem Ausflugsort erinnert, zeigt den englischen Ort Berwick vor den schottischen Bergen. Pryde markiert bestimmte Orte mit Namensschildchen, vor allem die Schule, wo sie Kunst studierte. Zur Vorbereitung dieser Ausstellung suchte die Künstlerin ihre alte Ausbildungsstätte auf. Dabei machte sie diesen Besuch selbst zum Objekt der Ausstellung. Mit Videointerviews recherchierte sie ihre eigene Vergangenheit. Anstatt nur die Ergebnisse zu präsentieren, spielt die Künstlerin mit den Beziehungen zwischen den Objekten und Fotografien im Galerienraum. Eine der besonders glatt im Galerieformat präsentierten Farbfotografien scheint die Erde aus dem Weltraum schemenhaft abzubilden. Erst die Erläuterung der künstlerischen Verfahrensweise gibt den Fotos ihre eigentliche Perspektive. Die Künstlerin fotografierte vom Grund eines Teiches die Wasseroberfläche.

Dieser warenhaften Ästhetik widerspricht in jeder Hinsicht eine rauhe Installation: Zentral im Raum befindet sich ein in dieser Gegend geläufiger Elektroschafzaun, an dem Kopien befestigt sind. Neben Fotografien finden sich in Bodennähe unterschiedliche Texte, die die Betrachter wörtlich in die Knie zwingen. Wer sie lesen will, muß sich zumindest herunterbeugen. Diese Betrachterforderung geriert sich als Schwelle,…

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von Stefan Römer

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