Ausstellungen: Köln · von Susanne Boecker · S. 399
Ausstellungen: Köln , 2002

SUSANNE BOECKER

Ken Schles

Galerie Thomas Zander, Köln, 20.4. – 31.5.2002

Der amerikanische Fotograf Ken Schles (Jg. 1960), der auch als Autor und Filmemacher arbeitet, verdient sein Geld mit Werbekampagnen, Plattencovern und Jahresberichten. Ein cooler Job, mit dem die meisten vollauf zufrieden wären. Ken Schles reicht das nicht: Er realisiert seit Jahren auf eigene Faust fotografische Projekte. Abseits vom Werbe-Glamour, aber auch – und das ist heutzutage bemerkenswert – ohne explizite Kunstmarkt-Ambitionen.

In dem Protagonisten von Ralph Ellisons berühmten Roman „Invisible Man“ fand Schles vor Jahren eine Art künstlerisches Alter Ego. Als Schwarzer in New York lebend, empfindet sich Ellisons Romanheld als „unsichtbarer“, von seiner Umwelt nicht wirklich wahrgenommener Mensch. Diese unfreiwillige Rolle erlaubt es ihm, die Stadt scharfsichtig und ohne Rücksicht auf Konventionen zu analysieren. Rund 50 Jahre, nachdem Ellisons Romanfigur als unsichtbarer Sehender New York durchstreifte, tritt der Fotograf Ken Schles in seine virtuellen Fußstapfen. Anstatt mit Worten will er die Strukturen gesellschaftlicher Realität mit Bildern erfassen. Mit den Augen des unsichtbaren Mannes beobachtet er New York und präsentiert uns eine „unsichtbare Stadt“, die wir zwar jeden Tag sehen, aber nicht wahrnehmen.

Bereits 1988 veröffentlichte Schles seine „Invisible City“ – einen schmalen Bildband mit Schwarz-weiß-Aufnahmen von ungewöhnlicher Herbheit und Intensität. Die Fotos bedienten keine Klischeevorstellungen, sondern holten das alltägliche Leben in Armut, Schmutz und Erbärmlichkeit ans Tageslicht. 2001 folgte als zweiter „Essayband“ die Publikation „Geometry of Innocence“. Aus diesem stammen auch die in der Ausstellung gezeigten Aufnahmen.

Mit seinen Bildern umkreist Schles die überall wirksame Präsenz gesellschaftlicher Strukturen, die sich – gepuscht von der…

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