Ausstellungen: Bochum · von Claudia Posca · S. 309
Ausstellungen: Bochum , 2003

CLAUDIA POSCA

Keti Kapanadze

„Not only hands but shoulders“

Museum Bochum, 15.3. – 4.5.2003

An den Neuen Medien führt kein Weg vorbei. Wer wüsste das nicht besser als die Museen, deren Bestände durch Video- und Computerkunst, vor allem aber durch fotografische Sammlungen bereichert werden? Und das zu Recht, haben sich doch apparativ-technisch realisierte Bilder längst ein eigenes künstlerisches Terrain erobert. Von bloßer Dokumentation ist die Fotografie weit entfernt.

Grund genug für das Museum Bochum der neuen Medienwelt verstärkt Tore zu öffnen: Ein erster Schritt ward schon 2000 mit „Ansicht Aussicht Einsicht“ getan, es folgte „Zeitgenössische Fotokunst aus Japan“ und „Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz“.

Ganz aktuell zeigt man nun Fotografien der georgischen Medienkünstlerin Keti Kapanadze – wahrlich keine alltäglichen Bilder. Denn als höchst artifizielle Position zeitgenössischer Fotokunst nähert sich das zu Sehende dem Menschenbild vor allem dadurch, dass der Mensch höchstselbst nicht vor der Linse erscheint. Stattdessen greift die 1962 in Tbilisi geborene, heute in Göppingen lebende Kapanadze für ihre inszenierte Fotografie auf „Spiegelwelten“ zurück, wie sie Hochglanzmagazine zuhauf zum Thema Mode, Life-Style und Sex als „wahres Leben“ konstruieren.

Auch der Traum junger Mädchen vom illustren Leben hat dort seine Nische, heißt Barbie, kommt vollbusig, schlank, mit hellblonder Prachtmähne, himmelblauen Augen und zuckersüßem Mund daher und ist darin nichts anderes, als ein püppchengegossenes Identifikationsangebot der „Großen“ für die „Kleinen“.

Dem Kinderzimmer entrückt spielt „die beste Freundin“ auch in der Kunst der Georgierin die Rolle einer glamourösen „prima ballerina“. Allerdings mit Stolperstein. Denn das Projektionsmodell vermeintlich weiblicher Schönheit, erotischer Lockung und geschlechtsspezifischer Lebensweise zwischen häuslicher Idylle, aufregendem Camping-Urlaub und…

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