Ausstellungen: Bilderstreit · S. 340
Ausstellungen: Bilderstreit , 1989

Stephan Schmidt-Wulffen

Kölner Bilderstreit:
Einladung zum Nachsitzen

Messehallen, Köln, 8.4.-2.7.89

Selten hat es so handfesten Streit um eine Ausstellung gegeben wie beim Kölner Bilderstreit. Jede großere Ausstellung der legten Jahre geriet in den Reißwolf der Kritik. Die Abstimmung mit den Füßen fiel meist positiver aus. Diesmal geht es um mehr als um die Meinungsäußerung der Fachleute. Es geht den Kopf von Siegfried Gohr, der nun dafür bezahlen soll, daß er Oden Aktionen seines Museums die Kölner Galeristen nicht gleichermaßen würdigte. Es geht um die Möglichkeiten des Ausstellungsmachens, des Interpretierens überhaupt, wenn Künstler die Teilnahme an derartigen Projekten nicht nur verweigem, sondern auch die Ausleihe ihrer Werke aus dritter Hand zu verhindern suchen. Das öffentliche Spektakel, so bedeutsam die Themen auch sein mögen, läßt das Ausstellungsereignis immer mehr in Vergessenheit geraten. Die Verrisse der Tagespresse waren vernichtend und konnten die Lawine des Protestes ins Gleiten bringen. Ihre Einwände blieben jedoch undiskutiert.

Zweifellos hat der ‚Bilderstreit‘ eine Vielzahl von Schwächen. Ein Teil dieser Fehler geht auf das Konto der beiden Ausstellungsmacher, Johannes Gachnang und Siegfried Gohr. Aber ein Großteil dessen, was dem Projekt als Versagen angelastet wird, hängt mit dem Kunstverständnis zusammen, das diese Ausstellung bestimmt. Dabei handelt es sich keineswegs um persönliche, geschmäcklerische Überzeugungen, sondern um ein Paradigma der Kunst, das mehr als ein Jahrzehnt geprägt hat. Der ‚Bilderstreit‘ macht diese Kunstanschauung auf eine komplexe, durchaus feinsinnige Weise augenfällig. Das Unbehagen, das den Besucher auf dem Weg durch die vielen Kabinette immer mal wieder befällt, richtet sich, durch die Ausstellung vermittelt, gegen dieses Kunstverständnis, dessen Vorzüge,…

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