Monografie , 1989

Doris von Drathen

Reiner Ruthenbeck

Als Ruthenbeck seinen ersten Aschehaufen aufschüttete, hatte Sol LeWitt gerade seine Gitterkonstruktionen, seine Cubic Cubes in New York gezeigt, hatte Donald Judd seine Stahl-Kästen, die an der Wand emporkletterten, bei Castelli und schon im Whitney-Museum ausgestellt, hatte Carl André Menge und Einheit in elementaren Grundformen vorgerechnet und seine ersten Nagelreihen oder Plattenfelder ausgelegt: Es war das Jahr 1968 – in New York erschien bereits die erste Anthologie zur Minimal Art (Gregory Battcock), und in Europa, zumal in der Bundesrepublik, herrschte allergrößtes Erstaunen, als Imi Knoebel und Blinky Palermo in puristischen Serien von Farbrechtecken eine neue Dimension in der Malerei (oder Bildhauerei?) öffneten, als Klaus Rinke versuchte, das Element Wasser als plastischen Stoff zu nutzen, um Relationen zwischen Raum und Zeit herzustellen, als Rückriem den Stein, die Erforschung des Steins und den Arbeitsprozeß zum Thema machte.

Diese deutschen Minimalisten werden oft in Verbindung gesetzt mit Eva Hesse, die (1938 war sie in die USA emigriert) plastische Arbeiten aus „unedlen“ Materialien wie Kunstharz, Fiberglas oder Gummi konzipiert, die Materialforschung zum Thema erhoben und mit Beuys großen Einfluß auf die italienische „Arte Povera“ und vergleichbare deutsche Strömungen hatte.

Ruthenbecks Arbeiten, die sich in ihrer Kargheit und in ihrer unmittelbaren Dinghaftigkeit in solche deutschen Strömungen einer „Arte Povera“ einordnen lassen, werden dabei aber oft als „Materialkunst“ (Karin Thomas) mißverstanden.

Ruthenbeck geht von der formalen Idee aus und nicht vom Material; das Material ist ihm Mittel zum bildnerischen Zweck. Nachdem er viele Zeichnungen von Pyramiden gemacht hatte, suchte er sich einen Werkstoff, mit dem diese…

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