Titel: Atlas der Künstlerreisen · von Philip Pocock · S. 164
Titel: Atlas der Künstlerreisen , 1997

Medium bedeutet Mitte

von Philip Pocock

Institut für Deutsche Philologie, Uni-München, July 23rd, 1996 (Auszüge)

Meine Vorlesungs-Text liegt, wie Email, zwischen gedrucktenund gesprochenen Wörtern. Erstens, weil es gedruckt abergesprochen ist. Zweitens, ist es enger mit gesprochenen Wörtern verbunden, weil Ich diese Sätze in Deutsch geschrieben habe ohne wirklich Deutsch schreiben zu können. Wir erleben einen revolutionären socialen Paradigma-Wechsel, vielliecht die grosstes überhaupt der Geschichte. Nicholas Negroponte, der MIT Medienlabor-Leiter, nennt es „von Atomen zum Bits“, das heisst, von physikalischen, farbigen, statischen Atomen zum 100-Prozentizen wandelbaren, farblosen, masslosen Bits als Medium, als Mitte.

Dieser Paradigma-Wechsel hat Konsequenzen auf unsere Identitäten. Unser Bewustsein, das aus unserer Sprache entstanden ist, aus einer Beziehung zwischen Wörtern, kehrt noch vor Gutenbergs Galaxie zuruck zum Volkerwanderungszeit des scholastischen Mittelaltertums, oder ganz zuruck zur analphabetischen, Nomadenzeit des Urwalds. Dort starteten wir unser modernes Nomadenprojekt Arctic Circle, eine Reise, die in einer Digitalen Loop (Kreis) endet, oder, immer weitergeht.

Ich habe eine Vorlesung über neuen Medien an der HdK in Berlin gehalten. Heute, habe ich immer noch nur eine kleine Hoffnung dass meine Begriffe zu Ihrem Weltbild passen können. Ich klinge immer wie ein Cyber-Evangelist, wenn ich mich höre, mit aus- geliehenen Deutschen Ohren . Webstock, Gendernaut, Cyberpunk, hypertext, quicktime. Das ist nur das Neue. Medium ist etwas anders.

Medium bedeutet Mitte. Die Mitte halbiert eine Form, ein System. Fest und undurchlässig kann dieses Trennungs-Gebiet sein, aber eine digitalen Mitte ist mehr wie ein Membran, osmotisch, durch- lässig, wie eine Brücke die zwei Hälften zusammen bringt.

Die neueste Medien – das Internet, die Infobahn, das…

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