Magazin: Kulturpolitik , 1991

Martin Blättner

Nürnberger »Kulturputsch« ist gescheitert

Der befürchtete „Kulturputsch“ im Nürnberger Rathaus, der indiskreten Gerüchten zufolge noch im Herbst dieses Jahres hätte stattfinden sollen – um die amtierende Kulturreferentin Karla Fohrbeck im Anschluß an die Diskriminierungskampagne zu „entmachten“ -, ist so gut wie gescheitert. Sicheres Indiz dafür, daß Oberbürgermeister Peter Schönlein nicht (mehr) daran denkt, Teile des Amtsbereichs von Frau Fohrbeck an sich zu ziehen (was er aufgrund seiner Organisationsgewalt hätte tun können), ist die eilige Einrichtung einer eigenen Stabsstelle für Kulturdirektor Siegfried Kett. Eine Boulevardzeitung hatte den Namen dieses Verwaltungsfachmanns als „Notstandsreferenten“ ins Gespräch gebracht, was hellhörig machen mußte, zumal eben jener Kulturbeamte Kett drei Monate nach Amtsantritt von Karla Fohrbeck das Referat urplötzlich und geräuschvoll verlassen hatte. Dieser fatale Abgang – der unter dem Stichwort „Palastrevolution“ in die Lokalgeschichte eingegangen ist – erwies sich als Sprungbrett für eine Beschäftigung in der Nachbarschaft des Oberbürgermeisters. Nach den Vorstellungen von Peter Schönlein sollte der hochrangige Beamte – der unter dem Exkulturreferenten Hermann Glaser 17 Jahre lang mitverantwortlich für städtische Planungen und Konzepte war – die 950-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2000 vorbereiten. Der Stadtrat versagte ihm jedoch den Auftrag. Zuletzt war Kett mit dem (angeblich seit Clodwig größten) Frankenfest zur Stadioneröffnung betraut. Künftig soll er das vorzügliche Erscheinungsbild von Nürnberg weltweit bekannt machen. Diese Stabsstelle für Imagewerbung – die Kett nun im Wirtschaftsreferat einnimmt – hatte vor Jahren eine Kulturdirektorin inne, die wie Kett Leiter des Amtes für Kultur und Freizeit war. Daß Frau Christl Zepp diese Aufgaben nicht mehr wahrnimmt, schreibt…

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