Ausstellungen: München · von Hanne Weskott · S. 167
Ausstellungen: München , 1982

Österreichische Kunst in München

Neben den jungen Malern aus Österreich wie Anzinger oder Klinkan, die in München von der Galerie Friedrich betreut werden, schenkt man in der letzten Zeit auch deren Vorgängergeneration wieder mehr Aufmerksamkeit. Da ist der Beitrag des Günter Brus in der ‚Gott oder Geißel‘-Ausstellung im Kunstverein, der schon in Bonn die heftigsten Gefühle und Proteste provoziert hat.

Dann liest man mit Staunen von dem neu erwachten Interesse der Tate Gallery an Herrmann Nitsch; sie haben als. erstes Werk ein ‚Schüttbild‘ erworben.

Auch die Staatliche Graphische Sammlung München hat in den vergangenen Jahren drei Zeichnungen von Nitsch als Dauerleihgabe des Galerie-Vereins erhalten und zeigt zwei davon in der Ausstellung „Neuerwerbungen“ (Ankäufe-Geschenke-Dauerleihgaben, Neue Pinakothek). Es handelt sich dabei um sog. ‚Architekturzeichnungen‘, die im Zusammenhang mit den Aktionspartituren zum ‚orgien mysterien theater‘ entstanden sind, sich dann aber graphisch verselbständigt haben. Der unbefangene Betrachter gewinnt den Eindruck einer phantastischen, labyrinthähnlichen Gartenbauarchitektur, deren verschlungenen Wegen zu folgen er bald aufgibt, um sich ganz dem wuchernden Ornament vegetabiler Formen zu überlassen. Nitsch sieht darin eine ‚tatsächliche Entsprechung‘ seiner Aktionen durch ‚räumliche und architektonische Gegebenheiten‘. In gewissem Sinne sind diese Zeichnungen programmatisch für die gesamte Ausstellung, in der eine optische wie logische Orientierung schwer fällt, was allerdings bei einer Zusammenstellung von knapp 200 Arbeiten aus 5 Jahrhunderten nicht verwundert. Da ist die räumliche Abtrennung des 20. Jhs als Sammlungsschwerpunkt nur eine kleine Hilfe. Der Besucher muß große Sprünge verkraften. Er schwankt ständig zwischen dem Eindruck des zielbewußten Sammelns, wie es sich in einigen Blättern des Informel andeutet,…

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