Magazin: Publikationen · von Michael Hauffen · S. 496
Magazin: Publikationen , 1998

Otto Karl Werckmeister:
Linke Ikonen

Die Ordnung der Gesellschaft wird nicht unwesentlich durch die Symbole bestimmt, die ihre verschiedenen Machtinstanzen repräsentieren. Zwischen einem Symbol und der von ihm repräsentierten sozialen Basis liegt aber eine Vielzahl verschiedener Ebenen, die die „Übersetzung“ bewerkstelligen, indem sie ihre Eigenarten ins Spiel bringen. Daraus resultiert nicht nur eine dauernde Unsicherheit über die Garantie von Bedeutungen, sondern auch die Möglichkeit, ja Notwendigkeit von laufenden Neubestimmungen, an denen einzelne Fraktionen der Gesellschaft in verschiedener Weise interessiert und beteiligt sind. Auch der permanente Streit um Bedeutungen von Symbolen läßt sich als sozialer Kampf lesen.

Während dieser Kampf im Bereich der beherrschten Teile der Gesellschaft hauptsächlich innerhalb der Massenmedien kontrolliert und ausgefochten wird, sieht die Struktur der Meinungsbildung nach oben hin und vor allem in der Fraktion der Intelligenz subtiler aus. Hier sind die Träger der Auseinandersetzungen selbstbewußter und daher weniger berechenbar, aber natürlich nicht wirklich unabhängig von äußeren Machtverhältnissen.

Beispielsweise wurde das Reich der geistigen Freiheit zu Zeiten des Kalten Krieges aus politischen Gründen großzügiger unterstützt, wobei die Verkennung dieses Zusammenhanges Teil der kulturellen Leistung ist, die der Zweck erfordert. Daraus ergibt sich etwa für die Kunst die Situation, daß eine Thematisierung von Ökonomie weitgehend tabuisiert werden kann.

Otto Karl Werckmeister ist als marxistischer Theoretiker an der Aufklärung solcher Zusammenhänge interessiert, aber er ist auch Kunsthistoriker, und das bedeutet, daß seine Neugier vor allem auf die sozialen Formationen gerichtet ist, die gesellschaftliche Verhältnisse in Kunstwerken verarbeiten. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Bedeutungsverschiebungen jener Werke, die einmal revolutionär empfunden worden waren und im…

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