Kunstforum-Gespräche · von Helga Meister · S. 374
Kunstforum-Gespräche , 2012

Paul Klee als moralisches Vorbild

Ein Gespräch mit Marion Ackermann und Anette Kruszynski zur Geschichte der Bilder von Paul Klee in der Kunstsammlung NRW

von Helga Meister

1960 kaufte das Land NRW als Akt der Wiedergutmachung 88 Bilder von Paul Klee, den die Nazis von der Düssseldorfer Kunstakademie vertrieben hatten. 1961 gründete das Land Nordrhein-Westfalen die Kunstsammlung NRW. Die Geschichte dieser Staatsgalerie beruht auf einer politischen Entscheidung, die mit einem moralischen Anspruch verbunden wurde. Um diese These zu begründen, nennt sich die Ausstellung der inzwischen auf 100 Bilder angewachsenen Klee-Sammlung in der Bel Etage des Ständehauses (K 21) „Die Geschichte der Bilder“. Helga Meister sprach mit der künstlerischen Direktorin der Kunstsammlung, Marion Ackermann, und mit Anette Kruszynski, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Wissenschaftlichen Abteilung. Es geht um die besondere Rolle, die Klee vor und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg im Bewusstsein der Öffentlichkeit spielte.

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Helga Meister: Paul Klee wurde nach dem Krieg zum Botschafter einer für die Freiheit eintretenden, demokratischen Gesellschaft hochstilisiert. Ein Künstler taugte plötzlich dazu, das Image des Landes und wenig später sogar der gesamten Bundesrepublik zu verbessern. Wie kam es dazu?

MARION ACKERMANN: Es gibt eine sehr interessante Dissertation von Christine Hopfengart von 1989, in der sie systematisch analysiert, welche Kunst nach 1945 wieder aufkam. Paul Klee spielt dabei eine besondere Rolle. Er wird zum Muster eines integren Menschen, der auch moralisch ein Vorbild sein kann. Die politische Entscheidung von Ministerpräsident Franz Meyers (1908-2002), die 88 Klees anzukaufen, wurde als Akt der Wiedergutmachung verstanden. Dabei finde ich bezeichnend, dass man den…

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