Ausstellungen: Zürich · von Michael Stoeber · S. 409
Ausstellungen: Zürich , 2002

MICHAEL STOEBER

Sade/surreal

Kunsthaus Zürich, 30.11.2001 – 3.3.2002

Ausstellungen zum Surrealismus sind im Augenblick en vogue. Sie waren es schon in der Vergangenheit und werden es wohl auch in Zukunft sein. Der Grund: der Surrealismus als einer der großen Avantgardebewegungen der klassischen Moderne ist fraglos ein Publikumsliebling, ein blockbuster. Ausstellungen zum Surrealismus garantieren in der Regel volle Häuser. So wurden in der „Tate Modern“ unlängst die Künstler des Surrealismus unter dem Titel „Desire Unbound“ vorgestellt, wobei das werbewirksame Versprechen eines grenzenlosen und ozeanischen Begehrens, einmal mehr das Publikum in Scharen in die attraktiven Hallen lockte.

In Bielefeld hat die Kunsthalle ihre Surrealismus-Ausstellung nicht weniger geschickt vermarktet, als sie dafür mit dem Titel „Die unheimliche Frau – Weiblichkeit im Surrealismus“ geworben hat. Dabei ist die Frau vor allem den Künstlern des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts unheimlich. Auf Sigmund Freuds berühmt resignative Frage am Ende seines Lebens „Was will das Weib“ haben sie bereits lange vor ihm die abschließende Antwort gefunden: den Mann verderben. Gustave Moreau malt die Frau als lüsterne Salome, sündhafte Messalina, gewalttätige Medea und betrügende Dalila. Edvard Munch als blutsaugenden, todbringenden Vampir und Franz von Stuck als verführerische und verführende Eva.

Für die Surrealisten dagegen ist die Frau eher ambivalent als dämonisch. Zwar geistert auch in ihren Werken manchmal als Erbe des Symbolismus die angsteinflössende, kastrierende Frau herum, auf die sie mit paternalistischen und autoritären Zurichtungs- und Verfügungsfantasien reagieren. Am Eindringlichsten und Obsessivsten Hans Bellmer, der mit einer von ihm entworfenen, stets gefügigen Gelenkgliederpuppe seine Wunsch- und Alpträume inszeniert. Aber ansonsten dient ihnen die Frau…

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