Magazin: Bücher · von Jochen Becker · S. 410
Magazin: Bücher , 2003

Save our Nights

Das Kolleg im Bauhaus Dessau ist ein Postgraduierten-Intensivstudium, welches jährlich wechselnden Schwerpunkthemen nachgeht. Aus dem Millenniumsprogramm ,Event City‘ schöpft die zweisprachig angelegte Publikation ,Die Stadt als Event‘, herausgegeben von der Kulturwissenschaftlerin und Kollegsleiterin Regina Bittner: Welche Effekte haben künstliche urbane Erlebnisräume auf die Stadtentwicklung? Innenstädte sind zunehmend geprägt durch Konsum und Vergnügen, weshalb hierfür der „Erlebniseinkauf“ den „Massenkonsum“ zumindest nominal abgelöst hat. Für den Architekten Bernard Tschumi ist die ,Event City‘ eine „Montage von Attraktionen“, wobei sich Funktionen mehrfach überlagern. Die Deckung von Artikeln des täglichen Bedarfs – also Einkaufen – wird dabei mit Multiplexkinofilmen, Themengastronomiemahlzeiten oder Fitnesscenteranimationen angereichert. Zugleich wandeln sich Museen in Showrooms für Motorräder, Mode, Merchandizing.

„Entertainment Cities können als Prototypen einer städtischen Ökonomie gelten, in der Kultur einer der wesentlichen Quellen von Wertschöpfung darstellt. Kultur und Ökonomie sind in der postindustriellen Stadt eng miteinander verflochten“, heißt es in Regina Bittners Einleitung. Angela McRobbies Beitrag führt dies am Beispiel der flexiblen Kultur- und New-Economie-ArbeiterInnen in London weiter aus. Networking gilt hier als maßgebliche Kulturtechnik mehrfach kompetenter Ich-AGs ohne Sozialversicherung. „Wir Kulturwissenschaftler können diese jungen Menschen vielleicht im relativ fixierten Umfeld eines Seminarraums unterrichten, aber haben sie die Arbeitswelt erst einmal betreten, werden unsere Treffen mit ihnen wohl eher zufällig stattfinden und von Entfremdung gekennzeichnet sein“, lautet das Resümee der an Cool Britannias maßgeblicher Künstlerschmiede Goldsmith College Lehrende.

Zwischengeschobene Projektarbeiten der Bauhaus-Kollegiaten im Chic computergestützter Architektur-Visualisierung durchschießen dabei unvermittelt die zumeist wissenschaftlich angelegten Essays. Als eine Art Selbstbeobachtung mit angeschlossener Fotostrecke versuchen die Kollegsabsolventen Silke Steets und Bastian…

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