Ausstellungen: Amsterdam · S. 366
Ausstellungen: Amsterdam , 1990

Frank-Alexander Hettig

Sibylle Ungers

Galerie Paul Andriesse, 28.10.-29.11.1989

Die Gemälde und Zeichnungen ihrer ersten Ausstellung in Amsterdam zeigen deutlich die Stille der zweiten Heimat – Irland – von Sibylle Ungers (Köln 1960). Farbfeldmalerei mit sich überschneidenden architektonischen Strukturen und der Aufbau von Farbschichten sind die wichtigsten Merkmale ihrer Arbeiten. Die zerteilte Oberfläche wird durch ein geschlossenes Farbgewirr noch hervorgehoben. Ungers‘ Bilder liegen auf der optischen Grenze zwischen Abstraktion und figurativem Expressionismus. Die Erkennbarkeit der Gegenstände mag zwar momentan verzögert sein, bewirkt jedoch, daß dieser Gegenstand unausweichlich in das Farbmaterial eingeschlossen wird. Die Oberfläche, die dick mit Farbschichten belegt ist, bekommt auch durch kreisrunde kurze Malgesten beinahe einen reliefartigen, modellierten Eindruck. Die warmen, dunklen Erdfarben ergeben eine Atmosphäre, die in den Titeln wie „Wakefull Night“, „Solitude“ oder „Conscious Memories“ zum Ausdruck kommt. Wie die irische Landschaft ist auch Ungers‘ Malstil grob und rauh. Das Resultat ist jedoch eine harmonische, ruhige Poesie.

Die einfachen, konstruktiven und informellen Elemente stechen bei den Umräumen wie vor einem Horizont ab. Jedoch gibt es keine deutlich strenge Kontur um die gegenständlichen und konkreten Objekte, sondern sie verschwimmen durch die unsaubere Vermalung und Vermischung der Schichten auf der Leinwand. Auch ihre Zeichnungen haben dieselben braunen, grauen Farben, die mit den Farben des Untergrundes harmonieren. Die Formen werden teils verwischt und scheinen sich im Nebel oder in der Dunkelheit vage abzuzeichnen, so daß eine Spannung zwischen hart und weich, zwischen Offenheit und Geschlossenheit entsteht. Diese „architecture picturale“ ist entsprechend der deduktiven Methode nicht mehr am Maßstab von Mimesis und Empirie zu messen….

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