Ausstellungen: Köln · von Thomas W. Kuhn · S. 336
Ausstellungen: Köln , 2008

Thomas W. Kuhn

Simon Schubert – Monode

Kunststation Sankt Peter, Köln, 3.4. – 20.4.2008

Wie ein erratischer Block, ein Findling, scheint das seltsame schwarze Gehäuse in der Kunststation Sankt Peter in Köln gestrandet zu sein. Schräg zu den Orthogonalen der Mauern, Stützen und Fugen wurde der übermannshohe Kasten im vorletzten Joch des südlichen Seitenschiffs unter Empore der spätgotischen Pfarrkirche abgestellt. Im glänzenden Lack, vertraut von Klavieren, Flügeln und Särgen, spiegeln sich Architektur und Umgebung wider. Das seltsame Möbel von regelmäßiger Form auf längsrechteckigen gestuften Sockel und abgerundeten Übergängen zwischen den vier Seiten heißt entsprechend im Zusatz zum Titel „ohne Titel“ sinnfällig ‚Spiegler‘.

Simon Schubert (*1976 in Köln) hat diese Arbeit 2008 für seine Ausstellung „Monode“ gefertigt, die aus nur zwei Exponaten bestehend bei Pfarrer Friedhelm Mennekes eingezogen ist. Schubert, ehemaliger Student der Bildhauerin Irmin Kamp an der Düsseldorfer Kunstakademie, kombinierte den ‚Spiegler‘ mit einer seiner virtuosen Papierfaltungen, die zwischen Relief und Zeichnung angesiedelt, die Architektur verlassen wirkender Interieurs wiedergeben. Die gerahmte Arbeit “ ohne Titel (Treppenhaus)“ von 2007 hängt in der Taufkapelle unterhalb des romanischen Turms des Vorgängerbaus der Kirche im Halblicht des westwärts gerichteten Fensters. Hier erscheint das Motiv im Raum auf den ersten Blick weniger rätselhaft, als im Falle des schwarzen Kastens. Simon Schuberts Treppenhaus korrespondiert zur Treppe die hinab in die Taufkapelle führt und auch zu den umgebenden Brüstungen, die vor dem Fall in die Tiefe schützen. In der Kapelle stehend scheint es, als ob Schuberts Faltung mehr als nur den Blick nach oben lenkt. Das Motiv der Treppe selbst führt…

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