Ausstellungen: Wolfsburg · von Martin Pesch · S. 375
Ausstellungen: Wolfsburg , 2000

Martin Pesch

Superflex

Kunstverein Wolfsburg, 8.12.1999 – 27.1.2000

Leicht glänzende Wände und ein ebensolcher, dazu erhobener Fußboden – bei diesem Design denkt man als erstes an die derzeit florierende Interieur-Kunst, in der unterschiedliche Gestaltungstrends zu einem hypermodernen Look vermengt werden. Aber schnell wird man eines Besseren belehrt. Denn so offensichtlich dieser Verweis ist, so offensichtlich ist auch die Kritik am gefälligen Äußeren, denn in dieser Ausstellung der dänischen Künstlergruppe Superflex geht es nicht um die künstlerische Umsetzung jahrelanger ‚Wallpaper‘-Lektüre, sondern um Themen wie die sogenannte Dritte Welt, um Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung, um soziales und politisches Engagement, also um ziemlich altmodische Dinge.

In Wolfsburg stellen Bjørnstjerne Christiansen, Jakob Fenger und Rasmus Nielsen, die zu dritt Superflex bilden, drei Projekte vor, an denen sie in den letzten Jahren gearbeitet haben. Keines dieser Projekte ist im herkömmlichen Sinne Kunst, das heißt, keines braucht zu seiner Realisierung und seinem Funktionieren die Präsentation in einem Kunstverein oder an sonstigen Kunstorten. Superflex verstehen sich dennoch als Künstler, weil sie die konventionellen Wege verlassen wollen, wie Kunst gedacht und präsentiert wird; aber auch die Wege, wie sich kunstfremde Sparten, in denen sie sich bewegen (Biologie, Computertechnologie, Urbanologie etc.), darstellen und von ihren jeweiligen Vertretern dargestellt werden. Kunst wäre anhand ihrer Projekte als der Mehrwert zu definieren, durch den es möglich wird, Repräsentationstechniken und -mechanismen offen zu legen und einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

So überließen Superflex beispielsweise die Präsentation ihres Projekts „Supergas“ (seit 1997) in Wolfsburg dem daran beteiligten Anthropologen. Wie er es aus seinem Arbeitsbereich gewohnt sein mag, herrscht hier die…

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