Ausstellungen: Zürich · von Stefan Römer · S. 430
Ausstellungen: Zürich , 1998

Stefan Römer

SUPERmarkt

»money / market / gender politics«

Shedhalle, Zürich, 25.1. – 22.3.1998

Angesichts der Einsparungen und Kürzungen, von denen die Ausgaben für Kunst in den 90er Jahren heimgesucht werden – etwa ob und wie Sponsoring demnächst besteuert wird -, wäre ein künstlerisches Projekt denkbar. Die Ausstellung SUPERmarkt in der Züricher Shedhalle nahm sich statt dessen der Bedingungen an, die für das kulturelle Feld den Rahmen bilden und dafür verantwortlich sind, daß immer weniger KünstlerInnen überhaupt eine Überlebensmöglichkeit auf dem Kunstmarkt haben. Im Sinne des in der Shedhalle vertretenen künstlerischen Paradigmas, wonach autonome, autorzentrierte Kunstwerke abgelehnt werden, untersuchen Pauline Baudry und Brigitta Kuster bestimmte Warenmarken – Social Labels genannt -, deren Images sich durch eine kritische Haltung zum konventionellen Markt charakterisieren (z. B. ein Bier, dessen Profite nach Kuba fließen). Die Künstlerinnen fragen mit ihrer Installation: „Inwiefern können Konsumentenentscheidungen zu politischen Veränderungen führen?“ Aber auch die bekannten Marken, die aus politischen Gründen boykottiert werden, wie Benetton, Siemens, Ciba Geigy oder Nestlé, sind Gegenstand einer Arbeit: Sylvia Kafehsy stellt einen Pool dieser boykottierten Firmen zusammen. Marion von Osten beschäftigt sich in ihrem Video „Made in China“ mit den Zusammenhängen, die zwischen dem Image einer Marke, ihren Produktionsbedingungen (Teamwork), der Ausbeutung billiger Arbeitskräfte im Trikont und den Begriffen der neuen Ökonomie (Corporate Culture, Corporate Identity etc.) bestehen.

Alice Creischers Arbeit dagegen wendet sich dem künstlerischen Produktionsprozeß zu, der sich als ein vager Balanceakt zwischen Opposition zu und Kritik am Markt herausstellt. Ein kleines, auf den Kopf gedrehtes Modell von Creischers Wohn-Arbeits-Einheit wird von einer Schleife durchrollt,…

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