Ausstellungen: Dresden , 2003

LARS BLUNCK

True Fictions. Inszenierte Fotokunst der 1990er Jahre

Kunst Haus Dresden, 16.8. – 27.10.2002

Die Frage nach ihrer Authentizität, nach dem Verhältnis von Dokumentation und Inszenierung begleitet die Fotografie seit ihren Anfängen. Bereits 1840 inszenierte sich Hippolyte Bayard, ein in den turbulenten Geburtsstunden des Mediums vollkommen übergangener Pionier der Fotografie, in der Pose eines Selbstmörders. Begleitet vom fiktionalen Hinweis, da man seine Arbeit nicht hinreichend gewürdigt habe, hätte er, der Unglückliche, sich eben ertränkt. Bayards fotografische Aufnahme trägt bereits jene Merkmale, die heute der Definition inszenierter Fotografie die Stichworte liefern: narrative Ereignisschilderung, szenische Ausstattung des Sujets durch Einsatz von Kulissen und Requisiten, Personalunion von Fotograf, Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner, Regisseur, bisweilen sogar Akteur.

Die Fotokunst der vergangenen Dekade auf eben diese Merkmale hin zu befragen, machte sich die von Michael Köhler kuratierte Wanderausstellung „True Fictions“ zur Aufgabe. Die Schau präsentierte knapp drei Dutzend teils international renommierte, teils noch aufstrebende Fotokünstler, denen allesamt eines gemein ist: der inszenierende Einsatz der Fotografie zur Erzeugung eigener Bildwelten. Sie alle bedienen sich dem vielfältigen Repertoire technischer Möglichkeiten, um autonome Bildwirklichkeiten fotografisch zu simulieren, vermögen jedoch zugleich ebenso suggestive wie wahre Aussagen über unsere Realität zu treffen. So setzen die inszenierenden Fotokünstler ganz auf die ontologische Ambivalenz der Fotografie, wirklichkeitsverbürgend abbilden zu können, zugleich aber in der Abbildung allenfalls ein Surrogat der Wirklichkeit zu erzeugen, zumal eines, dass sich je nach Grad der Inszenierung und Umfang der technischen Manipulation beugen lässt.

Bereits 1989/90 hatte Köhler in der Wanderausstellung „Das Konstruierte Bild“ den Versuch unternommen, eine erste Bilanz des Inszenatorischen…

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