Ausstellungen: Köln , 2000

Susanne Boecker

Wiebke Siem

Galerie Johnen & Schöttle, Köln, 18.2. – 18.3.2000

Dem Betrachter „einen leeren Platz im Zentrum“ zuweisen wollte Wiebke Siem, als sie 1997 in der Kunsthalle Bern vier über einen Zeitraum von acht Jahren entstandene Werkgruppen vorstellte. Eine Objektsammlung der anderen Art, merkwürdig undefiniert, jedoch von Anbeginn an musealisiert. Modellartige Kleidungsstücke, Holzkarren, Filztücher, Steine, Masken und Wandmalereien, formiert zu einem System innerhalb des Systems, einem „Museum ohne Haus“. Die vielen darin versammelten Objekte hatten vor allem eins gemeinsam: den von der Künstlerin vorgegebenen Seinszweck als Museumsstück. Wobei Siem damit keineswegs die Bedeutung ihrer künstlerischen Autorschaft behaupten, sondern vielmehr das museale Ranking ausschalten und das System als Ganzes zur Disposition stellen wollte. In ihrem neuen, Ende 1998 begonnenen Projekt, wagt die 1954 geborene Künstlerin den Sprung auf ein museales Terrain, das weit jenseits aller kunstimmanenten Debatten liegt, noch unbetreten von theorielastiger „Kunst über Kunst“. Ein Gebiet, das niemanden interessiert, das „bäh“ ist, sich damit aber umso besser für eine unmissverständliche Reflexion über Kunst und ihre Musealisierung eignet: Die Abteilung Bauernmöbel und Volkskunde.

Drei Schränke, eine Truhe, einen Bettschrank sowie zwei Stühle umfasst die Werkgruppe derzeit – allesamt aufgrund ihrer Bemalung oder Schnitzerei besonders auffällige Stücke. Hinzu kommen sollen Kleidungsstücke, Kinderspielzeug, Werk.zeuge und andere Gerätschaften des täglichen Lebens. Mit ihnen will die Künstlerin „ihr Museum“ füllen. Der Nicht-Kenner der Materie – und dazu werden die meisten Galeriebesucher gehören – wird überrascht sein von der ungewöhnlich farbigen, die Oberflächen der Möbel komplett überziehenden Malerei. Die Künstlerin hat die aus dem 18. und 19. Jahrhundert…

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von Susanne Boecker

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