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Magazin: Symposien & Kongresse · von Ingo Arend · S. 460 - 461
Magazin: Symposien & Kongresse , 1998

Ingo Arend
Wo bleibt das Positive?

Komplexes Mischmasch.
In Berlin stritt man um die Frage: Was ist linke Kunstkritik?

Die Kommunarden haben gestürmt und nicht geschlafen.“ Der Ratschlag, den Walter Ulbricht einst dem Maler Bernhard Heisig auf der Leipziger Kunstausstellung gab, als er dessen Bild der ruhenden Kämpfer der Pariser Commune sah, ist ein gutes Beispiel für das häufigste Mißverständnis linker Kunstkritik, das aktivistische. Manche Künstler der untergegangenen DDR hatten sich das Memento des „unbequemen Kunstbetrachters“(Otto Nagel) zu Herzen genommen. Denn wer das Treppenhaus im Berliner Staatsratsgebäude emporsteigt, erblickt ein Glasbild, das die frohe Welt schaffensbereiter Werktätiger zwischen Ährengarbe und Kinderglück zeigt.

Daß sich Anfang Dezember vergangenen Jahres mehr als 600 Menschen genau dorthin, einem der tristesten Plätze Berlins, zu einer Diskussion über die Frage „Was ist linke Kunstkritik“ mit dem zündenden Untertitel „Methodenstreit“ aufmachten, läßt sich nicht allein mit akademischem Interesse erklären. Vielmehr schien hier ein weiteres Anzeichen für die sachte Renaissance linker Fragestellungen zu leuchten, auf die die französische Kunsthistorikerin Catherine David einen Vorgeschmack gegeben hatte, als sie im Katalog ihrer, mit dem Motto „poetics-politics“ programmatisch betitelten documenta X, den Intellektuellen trotzig den Satz: „Angesichts der drängenden Fragen der Zeit wäre es mehr als inkonsequent, auf jeden ethischen und politischen Anspruch zu verzichten“ ins Stammbuch geschrieben hatte. Selbstkritische Bewegung in die festgefahrenen links-Positionen im ästhetischen Diskurs war schon vor einigen Jahren, nämlich 1993, zu erkennen gewesen. In ihrer jüngst beim Kölner DuMont-Verlag wiederaufgelegten „Sozialgeschichte der Kunst“ hatten sich die Osnabrücker Kunsthistorikerin Jutta Held und ihr Kollege Norbert Schneider aus Bielefeld dafür…



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