Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 371
Ausstellungen: London , 2009

Edgar Schmitz

Altermodern: Tate Triennial

Tate Britain, London, 3.2. – 6.4.2009

Erstmal kommt die Ausstellung ganz subtil daher und funktioniert vor allem als Überraschung. Schon im Eingangsbereich der Tate sind Pascale Marthine Tayous Fundstückstäuschungen so platziert, dass sie fast zu übersehen sind und andererseits die Triennale schon vorwegnehmen, ohne wirklich deutlich auf sie zu verweisen. Die Maskensteine sind der Anfang einer Reiher solcher Gesten: eine Rauminstallation von Matthew Darbyshire verwandelt den kühlen Rahmen der zentralen Durween-Galleries in eine futuristische Installationsarchitektur, die auch Innenarchitektur sein könnte und auf Gebrauchswert verweist, ohne wirklich darin aufzugehen. Daneben (oder vielmehr danach, wenn man denn die lineare Lesbarkeit dieser Anordnungen als gegebene Vorgabe anerkennt) setzt sich Tayous Reihe in eine Vitrinenanordnung mit ähnlichen Artefakten fort, die jetzt aber als Bestandteile einer fiktiven Sammlung aus dem Jahre 3000 auf das späte 20. Jahrhundert gleichzeitig vor- und zurückdatiert sind.

Nach diesen Einleitungen folgt dann der Vorhang, der die eigentliche Ausstellung von der stehenden Sammlung doch klar zu trennen scheint. Und hinter dieser Schwelle zwei Einleitungen in die weiteren Hauptthemen des von Nicolas Bourriaud kuratierten und als Altermodern betitelten Überblicks neuerer britischer Kunst: Nach der Museumsfrage bei Tayou und Darbyshire führt einerseits Spartacus Chetwynds Videowand mit Kissenlounge einen Subjektivitätsbegriff vor, der bei aller Auseinandersetzung mit weiblicher Fremdbestimmung, Menschenhandel und Vaudeville sich doch vor allem affektiv erschließt, von den einlandenden Kissen aus und mit den Köpfhörern, aus denen sich die Tonspur vor allem als Intensität in die Bilder einschreibt. Und andererseits gibt Mike Nelsons hier rekonstruierter Projection-Room (Triple Bluff Canyon) (2004) für Welterklärungsmuster…

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