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Titel: post-futuristisch. Kunst in dystopischen Zeiten · von Ann-Katrin Günzel · S. 48 - 73
Titel: post-futuristisch. Kunst in dystopischen Zeiten ,

asap

Mit Höchstgeschwindigkeit in die Zukunft
von Ann-Katrin Günzel

1. Futuristisch (Utopie)

1909 haben die italienischen Futuristen, allen voran Filippo Tommaso Marinetti (1876 – 1944), der das Gründungsmanifest der Bewegung am 20.02.1909 in der Pariser Tageszeitung Le Figaro publizierte [01], in lautstarken Forderungen eine allumfassende, um nicht zu sagen, eine geradezu das All umspannende Utopie entworfen, deren Gehalt uns heute, nachdem gut 100 Jahre später alles erfüllt, eingelöst und übertroffen wurde, was man sich damals wünschte, bisweilen erschüttert verstummen lässt. Der Futurismus gründete sich auf der Grundlage eines ungezügelten Fortschrittsoptimismus, der sich in der Verherrlichung von Geschwindigkeit, Simultaneität, Dynamik und Gewalt äußerte und neben der Rekonstruktion des gesamten Universums die Kreation eines neuen Menschen als eine Mensch-Maschine zum Ziel hatte.1

Eines der maßgeblichen Wahrzeichen und Symbol für den sprichwörtlichen Fort-Schritt war das Auto – in ihm sah Marinetti sich 1909 in eine glanzvolle (italienische) Zukunft rasen, in der alle Bereiche des Lebens und der Kunst durch technische Entwicklungen optimiert sein würden [02 /03]. In der Übernahme und Mitgestaltung der dröhnenden, schnelllebigen Errungenschaften der industrialisierten Moderne erkannten die Futuristen eine Möglichkeit, aus der rückwärtsgerichteten Bedeutungslosigkeit Italiens heraus- und direkt ins Weltgeschehen einzutreten.

Wir erklären, dass die Welt sich um eine neue Schönheit bereichert hat: um die Schönheit der Geschwindigkeit. […] ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake. — F. T. Marinetti, Gründungsmanifest des Futurismus 1909

Geschwindigkeit war dabei die oberste Maxime, ihr hatten sich alle Bereiche zu unterwerfen, mit ihr sollte in einem revolutionären Tempo die Zukunft erreicht werden….

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von Ann-Katrin Günzel

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