Biennalen · von Martin Seidel · S. 242
Biennalen , 2014

Ruhrtriennale 2014

Bildende Kunst bei der Ruhrtriennale 2014

von Martin Seidel

Musiktheater – Tanz – Bildende Kunst / Film/ Installation – Konzert – Theater/Performance – No Education – Foren und „freitagsküchen“ – das Programmbuch der Ruhrtriennale 2014 bewirbt sein Angebot in Sparten. Diese Ordnungsliebe wird bereits bereits durch das seit 2008 assoziierte ZEIT Forum Kultur konterkariert, das in seinem diesjährigen Podium die Grundlagen unserer Wahrnehmung eher rhetorisch hinterfragt: „Brauchen wir mehr kulturelle Alphabetisierung oder eine Kunst des Nicht-Verstehens?“ Kinder sind in der Abteilung „No education“ angesprochen und sollen als „freiwillige Selbstkontrolle der Ruhrtriennale“ deren Programm sicherlich nicht nach eingefleischten spezialwissenschaftlichen Gesichtspunkten jurieren.

Keine Mitteilung der Ruhrtriennale versäumt es, auf den großen Zusammenhang der Künste und den Gattungssturm hinzuweisen, zu dem Heiner Goebbels bläst, wie kein Ruhrtriennale-Intendant vor ihm. Auch wer nicht zu den „Vielkäufern“ gehört, die beim Kauf von Karten für mindestens vier verschiedene Vorstellungen zehn Prozent Rabatt erhalten, und sich nur wenige Produktionen ansieht, wird sich fragen, welcher Veranstaltung – spartenmäßig betrachtet – er gerade beiwohnt. Denn vieles, das meiste ist ebenso sehens- wie hörenswert, ebenso hörens- wie sehenswert. Der Tastsinn ist angesprochen, Gerüche spielen – wo müffelnde und köttelnde Schafe die Bühne betreten – eine Rolle. Die Kunst (verstanden als Oberbegriff der Künste) der Ruhrtriennale ist zum Sehen, Hören, Riechen und beim samstäglichen Get-together von Künstlern und Publikum auch zum Schmecken.

Heiner Goebbels, Intendant der Triennale 2012-2014, hat die Ruhrtriennale zum „International Festival of the Arts“ gemacht und darin die Bildende Kunst fest etabliert. Die Aufwertung der bildenden Kunst bei gleichzeitiger Auflösung ihrer…

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