Ausstellungen: München · von Michael Hauffen · S. 414
Ausstellungen: München , 1997

Michael Hauffen

Bruce Nauman

»World Peace (Projected)«

Staatsgalerie moderner Kunst, 19.3. – 19.5.1997

Bruce Nauman ist bekannt als ein Künstler, der sich Phänomenen der Gewalt unter Einbeziehung medialer Kontexte, einschließlich der Sprache, zuwendet und dabei den Rahmen konventioneller Verständigungsebenen, wie sie uns etwa in Patentrezepten, Moralpredigten, Appellen oder Sonntagsreden begegnen, wenn nicht verläßt, so doch zumindest heftig attackiert.

Die Arbeit, um die es hier geht, trägt schon im Titel einen grenzenlosen Anspruch zur Schau. Wer kann sich ohne Witz vorstellen, daß Weltfrieden aus einer Kunstinstallation in einem Museum des 20. Jahrhunderts erwachsen soll? Eine Art ironischen Kommentar hat Nauman allerdings bereits mitgeliefert, weil sich aus „World Peace“ leicht auch „word piece“ heraushören läßt, ein Titel, der im Zusammenhang mit Konzeptkunst die Selbstverständlichkeit eines Standards besitzt. Und um ein Stück mit Worten handelt es sich ja auch.

In einem separaten Raum werden auf fünf verschieden große Flächen Videoaufnahmen projiziert, die in einem Studio aufgenommen wurden und jeweils eine einzelne Person ohne irgendwelchen inszenatorischen Aufwand zeigen. Alle diese Personen tun im wesentlichen nichts anderes als einen Text vorzutragen. Es handelt sich um eine Folge von Sätzen, beginnend mit „I’ll talk. You’ll listen“ und der Umkehrung: „You’ll talk. I’ll listen“ sowie acht Varianten mit einer festgelegten Reihenfolge, deren Höhepunkt gewissermaßen die Formulierung „We’ll talk to them. They’ll listen to us“ und „They’ll talk to us. We’ll listen to them“ bildet. Dieses Skript wird ohne Ende wiederholt, genau wie die Videoaufzeichnungen, die sich automatisch und infolge von Laserdisktechnik sogar ebenfalls ohne nennenswerte Pausen wiederholen.

Die kleine Litanei wird also permanent von…

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