Ausstellungen: Esslingen , 1997

Cornelia Gockel

FORT!DA!COOPERATIONS

Villa Merkel, Esslingen, 2.2. – 6.4.1997

Als der Psychoanalytiker Sigmund Freud seinen eineinhalbjährigen Enkel beim Spiel beobachtete, machte er eine interessante Entdeckung: Der kleine Junge warf mit großer Begeisterung eine am Faden gehaltene Holzspule über den Rand seines verhängten Bettchens und zog sie anschließend wieder hervor. Seine Handlung begleitete er mit dem freudigen Ausruf „Fort!Da!“. Das kindliche Spiel vom Verschwinden und der Wiederkehr von Gegenständen, das Freud in seiner Schrift „Jenseits des Lustprinzips“ beschrieben hat, wurde zum Titel des neuen Ausstellungsprojekts „FORT!DA!COOPERATIONS“ in der Villa Merkel in Esslingen. Renate Damsch-Wiehager, Leiterin der Städtischen Galerien und Kuratorin der Ausstellung, hat zwanzig internationale zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen eingeladen, mit ihren Arbeiten in Dialog mit der älteren Künstlergeneration zu treten. Anhand einer Auswahlliste konnten sie für die Ausstellung Werke aus der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart entleihen.

Andrea Fraser, die ihre Arbeit in der gesellschaftspolitischen und historischen Analyse von Institutionen ansiedelt, hat in ihrer Videoarbeit „Welcome to the Wadsworth“ die Umgebung des ältesten öffentlichen Kunstmuseums in den Vereinigten Staaten zum Gegenstand einer Führung gemacht. Dazu wählte sie jeweils eine Arbeit von Christian Boltanski und Marcel Broodthaers, die mit ihrem konzeptuellen Ansatz einen wesentlichen Beitrag zur Öffnung des künstlerischen Rezeptionsfeldes geleistet haben. Peter Halley hat sich, geleitet von seinem Interesse an der Geometrie, für eine Gegenüberstellung seines Bildes mit einer Arbeit von Franz Erhard Walther entschieden, den er als „Teil meines Pantheons von Künstler-Helden“ bezeichnet, während Thomas Hirschhorns Annäherung an die ältere Generation sogar soweit geht, daß er eine Zeichnung von Meret Oppenheim frei nach dem…

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von Cornelia Gockel

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