Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 406
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2002

CHRISTIAN HUTHER

Camera Elinga

Pieter Janssens begegnet Jeff Wall
Städel, Frankfurt/Main, 5.5. – 28.7.2002

Die Rollen scheinen vertauscht, die Kunstgeschichte auf dem Kopf zu stehen. Denn der holländische Barockmaler Pieter Janssens Elinga (1623-1682) arbeitete wie ein moderner Fotograf, während der 1946 geborene Jeff Wall die erzählende Tradition der Alten Meister aufnimmt. Das Frankfurter Städel sorgt jetzt – nach der kürzlich beendeten Wall-Retrospektive im Museum für Moderne Kunst auf der anderen Mainseite (s. KUNSTFORUM Bd. 158, S. 334 f.) – für einen faszinierenden Dialog der beiden Künstler mit wenigen, aber exemplarischen Werken. „Camera Elinga“, so der Ausstellungstitel, spielt auf die im 17. Jahrhundert populäre Camera obscura an, die einen Ausschnitt der Welt einfängt. Und bei Janssens, der sich auch Elinga nannte, spielt das Licht eine ähnlich wichtige Rolle wie bei dem Kanadier Wall.

Pieter Janssens, in Brügge geboren und dann nach Holland emigriert, wurde erst im späten 19. Jahrhundert entdeckt. Denn signieren tat er nur selten, datieren überhaupt nicht. Nachdem lange Zeit seine Werke falsch zugeschrieben wurden, sind heute nur 20 Gemälde von ihm bekannt. Dabei hatte der Zeitgenosse von Vermeer eine Vorliebe für optische Effekte, ungewöhnliche Perspektiven und Spiegelungen. Den Lichteinfall durch Fenster und Türen zeigte er an ausgetüftelten, aber nicht immer echten Schattenwürfen. Im „Interieur ohne Figuren“ (um 1665) wirft ein Stuhl einen Schlagschatten auf die rückwärtige Wand und einen zweiten, fast gespenstisch erscheinenden Schatten auf die seitliche Wand. Damit verwandelte Janssens den Innenraum in eine Camera obscura und führte dem Betrachter seine optischen Spielereien vor. Das Licht spielte die Hauptrolle, die Figuren waren…

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