Ausstellungen: Berlin · von Claudia Wahjudi · S. 245
Ausstellungen: Berlin , 2010

Claudia Wahjudi

cargo. cargo manifest. cargo vision

Projektraums Autocenter, Berlin, 22.9. – 10.10. 2009

Container genießen einen zweifelhaften Ruf. Sie symbolisieren ein unsicheres Dasein im Transit, das jederzeit enden kann wie in „Big Brother“ oder aber zum zermürbenden Dauerzustand wird. So sind die großen Stahlkisten zu Sinnbildern für nicht gezahlte Löhne und Migration geworden, seit Bauarbeiter und Asylsuchende in ihnen wohnen. Gleichzeitig symbolisieren Container florierenden Handel und die weite Welt. Der Kulturbetrieb leiht sich gern ihr Flair und inszeniert in ihnen Kunst wie jüngst in der Hamburger Ausstellung „Subvision“. Auch Christoph Schlingensief nutzte sie für seine Aktion „Bitte liebt Österreich“: Im Sommer 2000 bat er zwölf illegale Flüchtlinge in ein Containerdorf neben der Wiener Oper und forderte zur Abstimmung im Internet über ihre Abschiebung auf.

Sein Spektakel findet sich neun Jahre später in der Ausstellung „cargo“ des Berliner Projektraums Autocenter wieder, in einem Film des Regisseurs Paul Poet, der Schlingensiefs umstrittene Aktion damals festgehalten hat. Wie eine ehrliche Fußnote weist Poets Dokumentation hier darauf hin, dass Container schon lange Thema sind. Und wie eine gute Studie revidiert die Ausstellung ihre unmittelbaren Vorläufer: Gebbers hatte für die Münchner Opernfestspiele 2009 selbst zwei Ausstellungen in Containern organisiert. Die eine, „cargo manifest“, zeigte Abbildungen in Frachtbriefgröße, die 60 ganz unterschiedlich arbeitende Künstler von Musikinstrumenten angefertigt hatten, unter ihnen Annette Kelm, Norbert Bisky, Andreas Slominski, Daniel Richter und Amelie von Wulffen. Der Dirigent Kent Nagano arrangierte die Fotos von den künstlerisch verfremdeten Gitarren, Becken, Fanfaren, Klavieren zu einer Art stummen Orchester an der Wand. Gebbers zweite Ausstellung, „cargo…

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