Titel: Postdigital 2 · von Alessandro Ludovico · S. 82
Titel: Postdigital 2 , 2016

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Dezentrale Infrastrukturen für ein „postdigitales Publishing“

von Alessandro Ludovico

Der dezentrale Charakter vieler digitaler Infrastrukturen kommt sozialen Initiativen und der Zirkulation von Medien zugute. Inhalte könnten über diese Netzwerke verstärkt Verbreitung finden, was wiederum kleinere Teilstrukturen schafft, die lokal agieren und sensibel auf globale Entwicklungen reagieren. Darüber hinaus bietet ein Rückblick auf bereits in Vergessenheit geratene Abschnitte der Mediengeschichte Aufschlüsse über Technologien, die vielfältige Sozialräume für das Teilen von Inhalten ermöglicht haben. Im Zentrum dieser Prozesse stehen das traditionelle „Publishing“ (Veröffentlichungswesen) und dessen Hybridisierung durch Software und Netzwerke, denen eine strategisch Rolle in der Wiederaneignung von Content-Infrastrukturen zukommt.

Mobile Bibliotheken

„[Bibliotheken] sind die Nervenzentren der intellektuellen Energie und basieren auf dem Teilen und der Verbreitung von Wissen.“

Robert Darnton, Direktor der Bibliothek der Harvard University¹

Netzwerke dienen der Distribution von und dem Zugang zu Inhalten. Sogar die einfachste Verbindung zwischen wenigen Apparaturen ist hauptsächlich dazu da, Informationen auszutauschen. Heutzutage halten wir diese Aspekte für selbstverständlich, weil sie ständig auf unseren Bildschirmen präsent sind, passiv im Hintergrund. Wenn wir uns jedoch bewusst machen, dass Netzwerke essentiell wichtige Infrastrukturen des Verteilens sind, tun sich bemerkenswerte Möglichkeiten auf. Konzentrieren wir uns speziell auf Bibliotheken. Die Idee der Bibliothek ist ein Ort, an dem Kultur in Form von Druckwerk aufbewahrt und zugänglich gemacht wird. Historisch gesehen bedeutet dies, dass wir Kultur räumlich verorten und einen bestimmten Raum mit allen uns bekannten kulturellen Formen assoziieren können. Daran hat sich zwischen Alexandria und dem Ende des 19. Jahrhunderts nichts geändert. Den ersten Vorstoß, die physischen Grenzen der Bibliothek aufzubrechen, machten erst…

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